Körperliche Folgen von Stress

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Stress empfindet jeder im Alltag anders und Stress, so er zeitlich begrenzt ist, benötigt unser Körper für unsere Gesundheit, denn ein Leben ohne Stress führt genauso zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen wie ein Leben mit zu viel und zu lange andauerndem Stress. Zu lange anhaltender Stress ist in unserer schnelllebigen Zeit ohne Regenerationsmöglichkeiten ein großer Posten bei den Krankenkassenkosten.

Laut Gesundheitsberichterstattung betrugen die Kosten für psychische Erkrankungen im Jahre 2008 alleine für Depressionen und denen häufig auch die Diagnose Burnout – Folge von lange anhaltendem Stress – integriert sind 5,2 Millionen Euro. Allein die direkten Krankheitskosten für psychische Erkrankungen betragen knapp 16 Milliarden Euro pro Jahr. Der Ausfall an Bruttowertschöpfung durch Krankschreibungen aufgrund psychischer Erkrankungen nahm zwischen 2008 und 2014 um mehr als 6 Milliarden Euro von rund 7 auf 13,1 Milliarden Euro zu.

Eine Studie im Jahre 2016 der Techniker Krankenkasse berichtet, dass sich 23 Prozent der Befragten häufig gestresst fühlen. Zu beachten gilt, dass es Differenzen zwischen den Geschlechtern hinsichtlich der Stresssituationen gibt. Männer berichten, dass sie sich häufig durch ihre Arbeitssituation gestresst fühlen (54%). Zu hohe Erwartungen ist zu 48% laut der Studie der Grund warum sich Frauen häufig gestresst fühlen.
Unabhängig von den Geschlechtern fühlen sich laut der Techniker Studie aus dem Jahre 2016 beide Geschlechter bei Termindruck (56%) und zu viel Arbeit gestresst (64%). Für ein Drittel der Befragten ist die ständige Erreichbarkeit belastend.

Im Jahr 2012 wurden bundesweit 60 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund psychischer Erkrankungen registriert. Diese Zahl dürfte in den letzten Jahren eher gestiegen als gesunken sein.

Die deutliche Zunahme der Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund psychischer Erkrankungen spiegelt sich in den zunehmenden Produktionsausfallkosten wider. Während sie 2008 noch bei geschätzten knapp 4 Milliarden Euro lagen, sind sie bis zum Jahre 2014 auf 8,3 Milliarden Euro angestiegen.

Welche Auslöser können zu Stress führen?

Dabei können wir zwischen internen und externen Auslösern von Stress unterscheiden. Oben sind weitgehend extrene Auslöser wie zu viel Arbeit, Termindruck, etc. genannt. Ergänzen können wir an der Stelle noch unvorhersebare Lebensereignisse wie Tod, Scheidung, Unfall oder Unwetter so wie vieles mehr. Auch Schule oder Studium können vorallem während der Prüfungsphasen zu Stress führen, denn nicht umsonst nehmen heute viele Schüler und sogar Studenten von denen man meinen könnte sie wüssten es besser Drogen um ihre Leistungsfähigkeit zu erhöhen. Die Jahre während die Kinder noch nicht aus dem Hause sind, die Betroffenen Vollzeit arbeiten und die Eltern erste Unterstützung benötigen, führen häufig zu prägnaten Stresssituationen. Während dieser Zeit kommt es häufig zusätzlich zu Konflikten in der Beziehung, weil die Prioritäten unterschiedlich gesetzt werden und wenig Zeit für die Beziehung bleibt. Wenn es dann noch aufgrund von Kosten, weil die Eltern finanziell nicht gut situatiert sind, zu finanziellen Engpässen kommt, ist die Katastrophe vorprogrammiert.

Häufig ist es auch so, dass die Betroffenen neben der Arbeit ein zeit- und kostenintensives Hobby haben, vielleicht noch in einem Verein fest eingebunden sind oder freizeitmäßig sich um die Nachbarskinder, oder um den Garten einer älteren Dame kümmern, deren Einkäufe erledigen und ich weiß nicht was noch machen, so dass es für die eigenen Bedürfnisse keinen Raum mehr gibt, dann ist der Stress im Grunde genommen bereits vorprogrammiert.

Sport kann, wenn er keinen Raum mehr für Entspannung und Regeneration bietet, genauso zu Stress führen wie oben erwähnte andere Hobbies.

Interne Auslöser können zum Beispiel Pessimissmus, das heißt der Betroffene sieht vieles in seinem Leben negativ, meint dass alles in seinem Leben schief geht, deutet Dinge die schiefgehen gegen sich persönlich, obwohl sie anderen auch passieren und hat keine Zuversicht, dass sich etwas ändern könnte.

Wenn sie Situationen verändern, führt dieses unweigerlich zu Unsicherheit. Wenn der Betroffene Schwierigkeiten hat die Unsicherheit, die er gerade erlebt und zum Leben gehört, gelassen auszuhalten, wird ihn diese Situation stressen.

Ein weiterer Punkt der zu Stress führt, sind unflexible, rigide Einstellungen. Ich erlebe es immer wieder, dass Menschen nicht bereit sind von ihrem Standpunkt abzuweichen, hinzuzulernen oder sich auszuprobieren und verharren dadurch in ihrer Situation, obwohl extrene Faktoren dringend eine Verhaltensänderung verlangen. Diese Situationen führen häufig nicht nur zu Stress, sondern auch zu Agressionen, weil die Betroffenen natürlich ihre Hilflosigkeit deutlich spüren, aber anscheinend der Leidensdruck nicht hoch genug ist, um eine Veränderung zu erwirken.

Wer negativ über andere und über sich redet bzw. denkt, zieht sich runter, nimmt sich Energie, die für den Alltag benötigt wird und stresst seinen Körper. Hierzu gehören auch die bekannten Glaubenssätze wie: „Sei stark.“ „Sei perfekt.“, „Ich bin nichts Wert.“ etc.

Nun kommen wir mal wieder zu den Frauen, denn dieser Punkt wie oben bereits erwähnt, betrifft vorallem sie. Wir Frauen neigen dazu unsere Erwartungen viel zu hoch anzusetzen und ich denke auch die Glaubenssätze: „Sei perfekt.“ oder „Mach es allen Recht.“ treffen vorallem für uns zu, denn wer hohe Erwartungen an sich hat, darf auch keine Fehler machen, um besonders gut vor den Vorgesetzten oder den Eltern dazustehen.

Kommen wir zurück zu den Perfektionisten. Sie haben oft auch die Angewohnheit der Alles-oder-Nichts Betrachtung von Situationen. Sie kennen häufig keine Grauschattierungen in ihren Entscheidungen. Das stresst zusätzlich, weil sie nicht in der Lage sind Kompromisse zu schließen und nur das Beste ist gerade gut genug und alles was darunter liegt nicht der Rede Wert oder des Aufwandes gut genug ist.

Zum Ende der Situationen, die uns stressen können, möchte ich noch eine Liste der stressvollsten Situationen anfügen:
1. Tod eines Kindes

2. Scheidung

3. Trennung vom Partner (vorallem für die Partei, die verlassen wird)

4. Inhaftierung

5. Tod eines nahen Angehörigen

6. Verletzung oder Krankheit

7. Hochzeit

8. Jobverlust

9. Eheversöhnung

10. Verrentung

Körperliche Auswirkungen von Stress

Bei zu viel Stress lassen sich verschiedene Kategorien von körperlichen Symptomen unterscheiden. Welche Symptome ein Betroffener zeigt, ist individuell verschieden und liegt an der Prädisposition des Betroffenen. Wir können zwischen kognitiven, emotionalen, physischen und Verhaltenssymptomen unterscheiden.

Kognitive Symptome können zum Beispiel Vergesslichkeit, fehlende Konzentration, negativ sehen, Angst und Sorge sowie Grübeln, und schlechte Entscheidungsfindung sein. Diese Symptome kennt wahrscheinlich jeder und müssen nicht vertiefend erklärt werden.

Angst und Sorge mit Grübeln sind wahrscheinlich der häufigste Einstieg, wenn wir uns gestresst fühlen. Damit gehen dann häufig die Vergesslichkeit und fehlende Konzentration einher, denn wer häufig abgelenkt ist, wird selten im Flow arbeiten können.

Bei den emotionalen Symptomen werden sicherlich auch das ein oder andere Symptom bereits bekannt sein. Grundsätzes Unglücklichsein, Angst und Erstarren (auch erstarren vor Angst) und launisch und aggressiv sein sind wahrscheinlich allen bekannt, wenn sie unter Stress stehen. Aber wie sieht es mit Einsamkeit und Isolation aus? Auch diese beiden Symptome sind häufig vorhanden, werden aber selten gesehen.

Stellen wir uns mal wieder die Familie vor deren Kinder noch nicht ausgezogen sind und wo die Eltern bereits Unterstützung benötigen. Da die finanziellen Ressourcen nicht üpig sind, werden sie jetzt, wo die Eltern Unterstützung benötigen noch knapper. Die Kinder sind in der Pubertät und verstehen zwar, dass die Finanzen jetzt knapper sind, aber sie wollen vor ihren Peers gut dastehen und wollen nicht akzeptieren, dass auch sie jetzt kürzer treten müssen. Hinzukommt, dass die Eltern eigentlich noch nie sehr viel Zeit mit den Kindern verbracht haben, weil sie beide Vollzeit arbeiten, damit sie, so war es damals als die Kinder klein waren, geplant, den Kindern eine gute Ausbildung zukommen lassen können. Jetzt hat sich für alle die Lage geändert. Die Kinder, es sind Jungens, weigern sich im Haushalt zu helfen, denn das hat doch gefälligst die Mutter weiterzumachen, denn bisher hat sie es auch getan, doch nun besucht sie regelmäßig ihre Eltern und einiges bleibt im Haushalt liegen. Weil sich die Jungens nun schämen, dass es bei ihnen zu Hause nicht mehr zu aufgeräumt ist wie früher, bringen sie keine Kumpels mehr nach Hause, sondern verbringen ihre Zeit lieber draußen. Das allerdings kostet, denn Fahrten zu guten coolen Plätzen, Eintritt, etc. will alles bezahlt werden. Da die Eltern ja nun weniger Geld zur Verfügung stellen, kommt einer der Söhne auf die Idee sich unrechtmäßig an Waren zu bereichern. Natürlich wird er irgendwann erwischt, die Eltern schämen sich für ihren Sohn, es gibt Streit und Enttäuschung, dass der Sohn so etwas tut und weiteren Stress. Die Spirale dreht sich weiter… Durch die Scharm auf allen Seiten zieht sich die Familie immer weiter aus ihrem Freundeskreis und redet sich ein, wir haben ja uns als Familie, also die Eltern, die Kinder und die Großeltern. Aber im Grunde genommen reden sie kaum miteinander, weil jeder ja ständig mit Arbeit, Schule und Hobbies und der Versorgung der Kinder bzw. Großeltern beschäftigt ist. Die Einsamkeit und Isolation wächst und damit die Unzufriedenheit über die Situation. Hinzukommt häufig, vorallem in der alten Generation, dass man keine Hilfe vom Staat annimmt und daher die Kinder weiter eingespannt werden und über ihre Kräfte hinaus für die Eltern/Großeltern da sind.

Daraus können sind physische Symptome entwickeln. So kennen viele Durchfall bei Präsentationen, weil die Aufregung so stark ist, dass sie Durchfall bekommen. Wer rennt nicht noch vor einer Klausur oder Prüfung auf Toilette? Im Grunde genommen sind dies typische Stresssymtome, die aber nicht unbedingt gleich krankhaft gedeutet werden müssen, denn wie ich oben bereits andeutete, gibt es auch positiven Stress, und dieser liegt hier vor, aber physiologisch äußert sich der positive Stress genauso wie der Negative, nur das die Symptome nach der Stressituation wieder von selber abklingen. Bei der Liste der größten Stressistuationen wurde Hochzeit als Stresssituation aufgelistet, obwohl es sich um ein positives Ereignis handelt. Doch die physischen Reaktionen wie nicht Schlafen können vor Aufregung vor dem großen Tag, das nichts essen können, etc. sind nichts anders als körperliche Stresssymptome.

Weitere körperliche Stressymptome können Herzrasen, häufig auch in Verbindung mit Angst sein, Grippen und Erkältungen, geringeres Bedürfnis nach Sex und undefnierbarer Schmerz sein.

Wer isst mehr, wenn er in Stress ist? Es gibt auch Menschen die nicht essen können, wenn sie im Stress sind. Oft bei Beziehungsstress bekommen die Beteiligten keinen Bissen mehr runter. Damit sind wir bereits mitten in den Verhaltenssymtomen, denn die eben beschriebenen Schlafstörungen gehören auch in diese Kategorie. Auf der Arbeit, aber auch im Privaten, zum Beispiel das Vergessen die Hausaufgaben der Kinder zu kontrollieren, sind Aufschieberitis und vernachlässigte Verantwortlichkeiten typische Anzeichen für Stress.

Alkohol und Drogen werden immer wieder verwendet um nach Stress zu entspannen oder genutzt, um bei langen Arbeitszeiten oder Schichten sich besser konzentrieren zu können oder weniger Schlaf zu benötigen. Daher werden Alkohol und Drogen aus als Stimulanzien bezeichnet.

Bei Stress kommt es häufig zu Fingernagelknabbern, Lippen knabbern, Bein wippen, etc.

Sicherlich gibt es noch viele andere Auswirkungen von Stress. Alle hier aufzuführen würde zu weit führen, doch habe ich diesen Artikel geschrieben, um aufmerksam auf die Folgen und Auswirkungen von Stress zu machen. Die Symptome und die oben beschriebenen Zahlen verdeutlichen wie wichtig es ist Stress im Alltag zu reduzieren und den Alltag zu entschleunigen. An anderer Stelle habe ich bereits und werde ich noch über Möglichkeiten Stress abzubauen bzw. Resilienz aufzubauen berichten. Zentral um Stress abzubauen ist der Aufbau der Selbstwirksamkeit.

Quellen:

  1. H.-J.Müller, G. Laux, A. Deister, Gesundheitsökonomie psychischer Krankheiten (1.3), Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, 6. Auflage, Thieme Verlag.
  2. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, 2011
  3. Bundesministerium für Arbeit und Soziales und Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin: Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit 2014, S. 44
  4. http://psyga.info/ueber-psyga/aktuelles/stressstudie-techniker-krankenkasse/
  5. Bundesministerium für Arbeit und Soziales und Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin: Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit 2014, S. 31
  6. Bundesministerium für Arbeit und Soziales und Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin: Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit 2014, S. 44
  7. Holmes and Rahe Stress Scale

 

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