Physiologische Stressreaktionen

Sobald unser Körper Stress wahrnimmt, finden physiologische Reaktionen in unserem Körper statt. Diese sind bei jedem Menschen gleich, denn jeder entscheidet in einem kurzen Bruchteil von Sekunden zwischen Flucht und Angriff. Individuell ist jedoch das Stresslevel, das heißt unterschiedlich zwischen Menschen ist, wann der Stress ausbricht. Das hängt von der Sozialisation, von den eintretenden Ereignissen und von der genetischen Prädisposition bzw. der Vulnerabilität eines Menschen ab.

Es gibt Menschen, die sind bereits beim Autofahren gestresst, wenn regelmäßig das Radio läuft. Andere empfinden es entspannend, wenn sie im Hintergrund Musik hören. Wieder andere werden von Menschenmengen gestresst während noch andere es lieben in Menschenmengen zu baden.

Wenn ein Menschn in Stress gerät, was passiert dann?

Gehen wir einfach mal davon aus wir sind genervt von der Musik im Auto. Die Signale erreichen das Gehirn und dieses beginnt die Eindrücke, die es gewinnt zu verarbeiten. Das Gehirn ist ein sehr komplexes Organ und in jungen Jahren sehr flexibel, so dass zum Beispiel bei blinden Kindern Regionen die normalerweise für das Sehen zuständig sind, Aufgaben des Hörens übernehmen. Mit dem Alter nimmt diese Flexibilität ab. Dieser Prozess erklärt auch, warum wir unterschiedlich auf bestimmte Situationen reagieren, weil kein Mensch die gleichen Erfahrungen und niemand diese Erfahrungen gleich verarbeitet. Daher reagieren Menschen bei Musik unterschiedlich. Ich vermute, dass Menschen, die mit Stress auf Musik tagsüber reagieren, diese in früheren Jahren als nervig interpretierten und das System sich diese Reaktione gemerkt hat. Im Grunde genommen haben wir uns negativ programmiert.

Die Amygdala, ein Teil des Gehirns der für die Emotionen zuständig ist, sendet ihre Informationen an den Hypotalamus, der bei Stress die Aufgabe hat, das Nebennierenmark zu aktivieren, damit die Nebennieren das Hormon Adrenalin ausschütten können. Das Nebennierenmark ist für die Alarmreaktion verantwortlich. Mit dem Adrenalin beginnen die körperlichen Reaktionen auf Stress, denn das Adrenalin steigert die Herzrate, beschleunigt die Atmung und stellt Energie bereit. Damit ist im Grunde genommen die Notfallreaktion ausgelöst, so dass das Individuum physiologich in Reaktionsbereitschaft versetzt wurde.

Nachdem der Körper im ersten Schritt in Reaktionsbereitschaft gesetzt wurde, schüttet der Hypothalamus ein Hormon (Kortikotropin-Releasing-Hormon, CRH) aus, woraufhin die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) adrenokorikotripe Hormone (ACTH) produziert und in die Blutbahn abgibt. Diese Hormone haben die Aufgabe in ihrem Zielort, der Nebennierenrinde die Cortisolausschüttung anzuregen. Das Cortisol füllt die Energiereserven, die durch die Adrenalinausschüttung geleert wurden wieder auf, indem es Energie, welche in der Nahrung enthalten ist, in Fett umwandelt und Mineralien für die Proteine aus den Muskeln und Knochen auslagert. Cortisol, ein Steroidhormon, erhöht die Leistungsfähigkeit des Immunsystems, indem es die Immunzellen, hier speziell die weißen Blutkörperchen, einsatzbereit macht und an ihren Bestimmungsort schickt. Das Feedbacksystem sorgt dafür, dass ab einem festgelegten Cortisolniveau die CRH- und ACTH-Ausschüttung gedrosselt wird, so dass das Cortisolniveau sinkt, damit das physiologischen Sytem sich wieder im Equillidum einpendelt. Damit endet der zweite Schritt.

Welche körperlichen Anzeichen finden während einer postiven Stressreaktion statt?

Unser physiologisches System möchte keinen chronischen Stress. Doch gibt es heutzutage viele Menschen die chronischen Stress leiden. Wie sich dieser auf unser physiologisches System auswirkt, habe ich in meinem Artikel zum Thema „Körperliche Folgen von Stress“ erläutert und werde ich aus diesem Grunde hier nicht weiter ausführen. Allerdings möchte ich an dieser Stelle noch positive Auswirkungen von gesundem Stress anführen, weil ich es wichtig finde deutlich zu machen, dass Stress nicht per se negativ ist wie es häufig angenommen wird, und die obige beschriebene physiologische Reaktion nicht krankhaft ist, so der Cortisolspiegel Möglichkeiten hat sich auf sein normales Niveau längerfristig zu reduzieren.

Positive Auswirkungen auf den Körper

• eine bessere Reaktionsfähigkeit,

• eine Stärkung der Muskeln,

• eine erhöhte Sehfähigkeit und

• eine gesteigerte Kampf- und Fluchtbereitschaft.

Positive Auswirkungen auf das Gehirn und das Denken

• Beschleunigung der Hirnaktivität,

• einer verbesserten Aufmerksamkeit,

• einer Verbesserung der kurzfristigen Urteilsfähigkeit und des Gedächtnisses sowie

• einer Beschleunigung von Entscheidungen.

In meinem Artikel war es mir wichtig verständlich zu machen, dass wenn wir Stress haben, viele Reaktionen in unserem Körper stattfinden, die aber, so sie nicht über einen langen Zeitraum anhalten, gesund sind und verständlich zu machen, dass Stress für unseren Körper gesund ist; denn genauso wie zu viel Stress ungesund ist, ist zu wenig Stress nicht minder ungesund.

One Comment Add yours

  1. Pingback: Meditation

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.