aktiv zuhören

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Zuhören und die richtigen Fragen im passenden Moment stellen, sollten die zentralen Fähigkeit eines Coaches sein. Dabei spricht der Coach beim Klienten vier Ohren (von Schulz von Thun) an. Die Frage oder Aussage des Coaches trifft beim Klienten auf das Beziehungsohr, das Appellohr, das Sachohr und auf das Selbstkundgabeohr. Auch wenn ich jetzt die Ohren am Beispiel des Klienten erkläre, treffen die vier Ohren auch auf den Sprecher zu.

Wie betont der Coach eine Nachricht? Ob die Nachricht verstärkt das Beziehungsohr oder das Sachohr trifft, hängt von den Inhalten, aber verstärkt von der Betonung wie eine Nachricht gesagt wird, ab.

Coach: „Wie fühlen Sie sich heute?“
Klient: „Ich fühle mich heute überhaupt nicht gut.“
Coach: „Liebe Frau …. Was bedrückt Sie denn heute?“

Der Klient kann diese Nachricht nun verschieden hören. Auf der Beziehungsebene mag der Therapeut Mitleid mit seiner Klientin haben, als Appell fordert er seine Klientin auf über das was sie bedrückt zu reden, das Sachohr stellt fest, dass es der Klientin nicht gut geht und das Selbstoffenbarungsohr macht deutlich, dass der Coach bereit ist auf seine Klientin zu zugehen und er für sie Verständnis hat.

Jede gesagte Nachricht kommt beim Hörenden nicht so an wie sie der Sendende gemeint hat. Die Klientin kann von der Fürsorge ihres Coaches genervt sein, weil sie jeder bemitleidet, obwohl sie viel lieber eine Antwort wüsste, warum es ihr so schlecht geht. Der Coach kann an diesem Punkt zu der Coachingsitzung überleiten und zum Ende erneut fragen, ob es der Klienten denn nun besser ginge.

Die Ohren sind einfach ein schönes Beispiel, dass der Mensch nicht nur die Sachnachricht aufnimmt, sondern auch die Emotionen immer mithören. Die Emotionen, mit denen etwas gesagt wurde richtig zu interpretieren, ist häufig nicht einfach. Um herauszufinden, ob der Coach das gemeint hat, was der Klient meint gehört zu haben, könnte der Klient nachfragen oder dem Coach spiegeln was er verstanden hat, und so verhindern, dass etwas Ungeklärtes im Raum stehen bleibt. Wenn der Klient sich nicht traut nachzufragen, wird ein guter Coach an der Körpersprache erkennen, dass es eine Störung gibt und von sich aus nachfragen.

Emotionen und Körpersprache sind bei einer Kommunikation viel bedeutsamer als die Sachnachricht, denn die Emotionen und die Körpersprache verraten, ob der Coach und der Klient dieselbe Sprache sprechen. Wenn ein Mensch einen Witz erzählt und der andere ihn gar nicht witzig findet, aber aus Höflichkeit mitlacht, wird er erstens verzögert zu lachen beginnen und zweitens werden seine Augen nicht mitlachen. Ein guter Witzeerzähler hat sofort verstanden, dass er mit seinem Witz nicht angekommen ist.

Wahrscheinlich kennen wir alle den Spruch: “Den kann ich nicht riechen”. Es bedeutet, dass wir unser Gegenüber nicht mögen. Also wenn unser Gegenüber einen Witz erzählt und wir ihn nicht “riechen” können, wird der Witz uns wahrscheinlich nicht von Herzen lassen lassen. Damit sind wir mitten in den fünf Sinnen, die bei der Kommunikation eine Rolle spielen. Wenn wir jemanden nicht riechen können, und das muss gar nicht heißen, dass wir ihn nicht mögen, sondern einfach weil er unangenehm riecht, nehmen wir unweigerlich Abstand von dieser Person, das heißt der körperliche Abstand vergrößert sich. Das heißt wir haben bereits drei Sinne in unsere Kommunikation eingebaut: Hören (akustisch), Sehen (visuell) und Riechen (olfaktorisch).

Wenn sich zwei Menschen sich zum ersten Mal küssen, stellen sie fest, ob der andere schmeckt. Wenn er nicht schmeckt, bekommt er wahrscheinlich nicht mehr viele Küsse. Neben den Küssen haben sich die Beiden wahrscheinlich berührt, so dass wir in dieser Situation im Grunde genommen alle Sinne bedienen: Schmecken (gustatorisch), olfaktorisch, visuell, akustisch und fühlen (taktil).

Kommunikation ist ein sehr komplexes Thema und zeigt uns wie kompliziert aktives Zuhören eigentlich ist. Wir sprechen von aktivem Zuhören, aber meinen eigentlich etwas viel Komplexeres. Hinzukommt noch das erste Axiom von Paul Wazlawick, der meinte: “Man kann nicht nicht kommunizieren.” Also wenn wir nicht nicht kommunizieren können, wird das aktive zuhören noch umfangreicher, denn es bedeutet das nicht Gesagte zu verstehen. Und damit sind wir wieder bei der Körpersprache, die ich zu Beginn schon mit einfließen lies.

  1. Mit einander Reden (1-4): Friedemann Schulz von Thun
  2. Fünf Axiome: Paul Watzlawick

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