Hochsensibilität

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Obwohl Hochsensibilität aufgrund Ihrer sehr jungen Geschichte nicht vollständig erforscht sind, berichten Betroffene immer wieder, dass sie sich leicht gestresst und überfordert fühlen.

Warum ist das so?

Menschen, die als hochsensibel sind, nehmen mehr Reize auf und haben diese zu verarbeiten als “normale” Menschen. Wichtig ist zu wissen, dass diese Menschen nicht krank sind, sondern Hochsensibilität Charakterzüge sind und verschiedene Vorteile für diese Menschen mit sich bringen. Häufig werden die Vorteile von den Betroffenen nicht gesehen, weil sie so viele Reize aufnehmen, dass sie sehr schnell überfordert sind.

Welche häufigsten Merkmale haben denn Hochsensible?

Bevor ich die Merkmals erkläre, ist es wichtig, dass ich darauf aufmerksam mache, dass Hochsensible nie alle sechzehn Merkmal auf einmal haben und die Ausprägungen der Merkmale sehr verschieden sind.

Sie können über eine hohe Intuition und tiefe Emotionalität verfügen. Eine hohe Intuition zu besitzen, hilft Entscheidungen zu treffen, denn die Wissenschaft hat erkannt, dass wir nicht in der Lage sind Entscheidungen rein verstandesmäßig zu treffen, sondern immer sind unsere Emotionen beteiligt. Intuition hilft diesen Menschen andere einzuschätzen und oft liegen sie mit ihrer Einschätzung “richtig”. Weil sehr viele Eindrücke auf Hochsensible einprasseln, sind sie langsamer im Entscheidungstreffen als nicht Hochsensible.

Entscheidungen zu treffen, fällt Hochsensiblen schwerer, denn sie verarbeiten Informationen tiefer, so dass sie mehr Details für eine Entscheidung abwägen. Hinzukommt, dass sie Details beachten an die andere nicht im Traum denken würden, da sie häufig um Ecken denken oder Details erinnern, die andere bereits vergessen haben. Eine getroffen Entscheidung kann auch noch einmal umgeworfen werden, wenn eine neue Unsicherheit auftritt, weil neue Fakten hinzugekommen oder die Emotionen gekippt sind.

Sie haben tiefe Emotionen. Sie zeigen tiefe Gefühle für Menschen und Tiere. Die Tiefe ist eine Folge der vielen Eindrücke, die sie aufnehmen. Wichtig ist zu wissen, dass Hochsensible länger benötigen diese zu verarbeiten und manchmal andere damit nerven, weil der nicht sensible Gesprächspartner mit der Situation bereits abgeschlossen haben. Sie nehmen auch Schwingungen anderer Menschen wahr oder können bereits, wenn sie einen Raum betreten fühlen welche Stimmung herrscht. Auch Aggressionen bei ihrem Gesprächspartner spüren Hochsensible bevor der Gesprächspartner zu aggressiver Gesprächsführung übergegangen ist.

Tränen fließen bei Hochsensiblen schneller als bei Normalsensiblen, weil sie sehr emphatisch sind und die Emotionen wie wir bereits wissen tiefer erlebt werden. Dafür sollten sie sich nicht schämen.

Dabei beschäftigen sich Hochsensible lange, detailreich und gründlich mit Dingen um sie herum. Auch hier gilt, dass Hochsensible noch mit “ihren” Themen beschäftig sind, während sich andere bereits neuen Themen zugewandt haben. Hochsensible tun sich schwer mit unserer oberflächlichen Welt. Sie wollen Themen, die sie interessieren bis ins Detail verstehen. Oft kapseln sie sich ab, denn Oberflächlichkeit bringt es mit sich, dass viele verschiedene Informationen schnell aufgenommen werden sollen und dieses führt bei Hochsensiblen wiederum zu Stress. Sie sind der Mensch für die Details, daher sind sie häufig in Berufen zu finden, die eine geringe Fehlerquelle dulden.

Ihre Hochsensibilität führt dazu, dass sie sich mehr Sorgen als normal sensible Menschen machen. Sie wittern die Gefahr früher als andere, weil sie deren Anzeichen früher wahrnehmen als ihre Umwelt.

Ein klarer Nachteil Hochsensibler ist, dass sie sehr viele Dinge auf sich selber beziehen, auch wenn sie keine Schuld an dem Missstand trifft. Wenn zum Beispiel Aufträge wegbrechen, denn Hochsensible sind oft selbständig, da sie Freigeister sind, glauben sie, dass sie nicht gut genug waren und deshalb die Aufträge nicht weitergeführt wurden. Ein Glaubenssatz mit dem Hochsensible sich konfrontiert sehen, lautet: Warum nimmst Du immer alles so persönlich? Hochsensible machen sich viele Gedanken um Situationen und Menschen um sie herum, so dass der Eindruck abfärbt, dass der Hochsensible einen größeren Anteil an dem Misstand haben als objektiv gesehen wahr ist. Hochsensible können dabei, so empfinde ich es, in einen Tunnelblick geraten, der zur Folge hat, dass sie meinen Schuld zu sein.

Oft machen sie sich Vorwürfe, wenn sie Fehler gemacht haben. Sie empfinden Situationen, die sie falsch bewertet haben oder Störungen schlimmer, weil ihre tiefer zu verarbeitenden Emotionen wie Enttäuschung oder Wut sie mehr ergreifen als es bei nicht Sensiblen der Fall ist. Sie können sie intensiv und langanhaltend ärgern.

Suchen Sie einen Mitarbeiter für ihr Team?

Hochsensible sind häufig hochgeschürzte Mitglieder in Teams. Sie fügen sich gut ein, weil sie emphatisch sind und damit gut auf die anderen Teammitglieder eingehen. Ihr Vorteil in einem Team ist, dass sie einen guten Überblick über komplexe Situationen behalten, gut analysieren, während andere sich bereits in Details verloren haben, so dass sie sich durch eine gute Voraussicht und einen guten Weitblick hervorheben. Befindlichkeiten im Team behalten sie in der Regel gut im Auge und sorgen dafür für ein ausgeglichenes Klima im Team. Nicht so gut sind sie Entscheidungen für die Gruppe zu treffen. Wichtig ist hier für Hochsensible, dass sie lernen Grenzen zu setzen, da sie sich ansonsten für das Team aufopfern und ausbrennen.

Sie sind gute Führungskräfte aufgrund der oben beschriebenen Eigenschaften. Doch gibt es an dieser Stelle Grenzen, derer sich Hochsensible bewusst sein müssen. Die Schwierigkeit Entscheidungen zu treffen kann sie als Führungskraft leicht überfordern, daher benötigen hochsensible Chefs gute Assistenten, sollten frühzeitig Aufgaben delegieren, damit sie genügend Zeit für sich haben die Eindrücke, die auf sie zukommen zu verarbeiten. Eines sollte man bei Hochsensiblen nicht vergessen. Sie sind harte Arbeiter. Ihre Charaktereigenschaften hindern sie nicht an Leistung, eher sind sie in Team Leistungsträger, weil sie Small Talk verabscheuen und Pausen eher aktiv nutzen, um noch mal eben etwas zu besprechen.

Veranstaltungen, die Small Talk verlangen, sind ihnen ein Graus. Wenn es sein muss können sie natürlich Small Talk führen, doch von ihrem Naturell her meiden sie solche Situationen wo es nur geht.

Lärmempfindlichkeit

Viele Hochsensible sind lärmempfindlich. Daher findet sie sie selten in Clubs. Ihnen ist es dort schlicht und ergreifend zu laut. Wohnhäuser wo regelmäßig die Straßenbahn, der Zug oder eine mehrspurige Straße entlangführen, sind für Hochsensible reiner Terror und können so stressen, dass Hochsensible ins Burnout oder in eine Depression verfallen. Der Ursprung dessen liegt daran, dass sich das Nervensystem Hochsensibler nicht an wiederholende Geräusche gewöhnt, so dass die Reizschwelle bei jede Geräusch so ausschlägt, als wenn das Geräusch zum ersten Mal auftritt. Sie hören beim Autofahren oft kein Radio oder Musik, um sich zu entspannen, denn jede Lärmquelle empfinden sie ab einem bestimmten Moment wie Folter. Hochsensible benötigen sehr viel Ruhe.

Großraumbüros sind in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen. In einem solchen zu arbeiten, ist für Hochsensible nicht möglich, weil sie jede Störung aufnehmen. Hier sind wir beim nächsten Thema wie Hochsensible verarbeiten. Sie können Reize nicht filtern, das heißt Reize strömen auf den Hochsensiblen ein und er ist diesen ausgeliefert. Wenn andere Menschen Geräusche ausblenden und sich nur auf ihre Arbeit konzentrieren, stehen Hochsensible fassungslos da und wissen nicht wie sie das anstellen sollen. Daher sind Hochsensible in der Regel nach ein paar Wochen nicht mehr in dem Unternehmen und im Großraumbüro zu finden. Sie haben aufgrund des aufkommenden Stresses gekündigt, weil sie merken, dass sie die Leistung unter diesen Bedingungen nicht erfüllen können.

Schlaf

Schlaf ist ein wichtiges Thema für Hochsensible. Erhalten sie davon nicht genug, denn sie benötigen mehr als Nichtsensible oder ist der Schlafplatz laut oder befindet sich ein Handy bzw. Fernseher im Zimmer, so können diese Faktoren zu einem schlechten Schlaf und im schlimmsten Fall zu keinem Schlaf führen was wiederum zu Stress führt.

Wichtig ist für Hochsensible, dass sie ihre eigenen Bedürfnisse und Abgrenzungen, die sie dringend benötigen, formulieren. Leider fällt ihnen das schwer, weil sie natürlich sehen wie nichtsensible Menschen ihr Leben meistern und sich mit ihnen vergleichen, anstatt auf die positiven Seiten, die Hochsensibilität hat, zu konzentrieren. Wer in den westlichen Industrienationen hochsensibel ist, hat es leider nicht leicht, weil ihre Charaktereigenschaften werden hier nicht Wert geschätzt. So lässt sich erklären, warum sich Hochsensible hier häufig depressiv, gestresst fühlen. In asiatischen Ländern sieht es dagegen ganz anders aus. Dort werden weitsichtige, umsichtige und Menschen, die komplexe Zusammenhänge erfassen, sehr geschätzt.

Sport

Sport spielt im Leben Hochsensibler eine wichtige Rolle, denn dieser gibt ihnen die Möglichkeit abzuschalten und zu entspannen. Es wird vielleicht überraschen, dass Hochsensible nicht gerne im Team sporteln, sondern dieses lieber alleine machen. Das hat wieder verschieden Gründe. Zum einen mögen es Hochsensible nicht beobachtet zu werden. Des Weiteren haben sie einen anderen Grundumsatz und erschöpfen schneller als andere was erklärt, warum sie lieber eine Einzelsportart ausführen. Hier entscheiden sie wie weit sie zum Beispiel laufen ohne von jemandem abhängig zu sein.

Egal was Hochsensible anpacken, sie haben immer eine sehr hohen Anspruch an sich. Sie neigen zu Perfektionismus und ihnen fällt es im Alter schwerer, Aufgaben aufzugeben, weil sie eine sehr hohen Anspruch an sich haben. Von ihrem Umfeld erwarten sie selbiges und sind enttäuscht, wenn dieses das nicht erfüllt. Da die Enttäuschung wieder tiefer geht als bei Normalsensiblen, können die Reaktionen entsprechend harsch auffallen. Solange Hochsensible nicht erkenne, dass sie zu hohe Ansprüche an sich und ihre Umwelt stellen, kann dieses mal wieder zu Stress führen. Sobald sie es erkannt haben und ihr Verhalten angepasst haben, leben sie im Equilibrium mit sich selber.

Gewalt

Gewalt ist ihnen fremd und lehnen sie ab. Für Hochsensible ist es schwer Auseinandersetzungen auszuhalten, egal, ob sie selber involviert sind oder diese aushalten müssen. Sie lieben die Harmonie und werden alles daran setzen diese herzustellen. Gewalt im Fernsehen ist für Hochsensible Gift. Warum? Weil die Szenen im Fernsehen ihre Emotionen triggern und Hochsensible danach lange benötigen diese zu verarbeiten und wieder in den Alltag einzutauchen. Selbiges gilt für Zeitung lesen. Weil in Tageszeitungen viel Negatives berichtet wird, lesen Hochsensible diese oft nicht. Den Feuilletons greifen sie gerne, denn die musischen, philosophischen, graphischen Themen bringe ihre Emotionen positiv zum Schwingen und geben ihnen die Möglichkeit tief in sich hinein zu fühlen.

Hochsensible mögen gute Manieren und haben ein feines Gespür für Ästhetik. Sie lieben gut eingerichtet Räume, Ordnung und den guten Ton. In der Regel legen sie übermäßig großen Wert auf Tischmanieren. Sie mögen es nicht, dass geschmatzt, gerülpst oder noch schlimmer am Tisch gefurzt wird. In Zügen empfinden sie es als sehr unangenehm, wenn jemand in ihre Nähe isst und Geräusche von sich gibt. Das kann spürbare Ekelreaktionen hervorrufen und zu Herpes führen.

Andere Kulturen, in denen es üblich ist mit Schmatzen auszudrücken, dass ihnen das Essen schmeckt, sind für sie ein Greul, denn es bedeutet an einem Tisch während einer Unterhaltung Geräusche auszublenden, was Hochsensiblen kaum möglich ist, so dass diese Esskultur Hochsensible stresst.

Weiter oben hatte ich bereits darüber berichtet, dass Hochsensible leicht Situationen auf sich beziehen. Kritik ist für Hochsensible sehr schwer zu verkraften, weil sie sich persönlich angegriffen fühlen, weil sie Kritik viel tiefer empfinden als ihr Umfeld. Daher ist ihre Betroffenheit entsprechend groß. Diesen Situationen weichen sie gerne aus oder kritisieren sich selber, damit es niemand anders macht.

Hochsensible Menschen haben viele Vorteile und früher wurden sie als Weise, als Wegweiser für Dorfgemeinschaften auch in Europa genutzt. Für ihre Fähigkeiten waren sie hoch angesehen. Leider hat sich das Blatt für diese Feinfühlen, emphatischen Menschen gedreht und ich hoffe, dass es wieder eine Zeit geben wird, wo diese Menschen an Bedeutung gewinnen.

 

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