Liebe

IMG_4796

Pflicht lässt uns Dinge gut machen, Liebe lässt die Dinge bewundernswert erscheinen.

Können Sie sich vorstellen, dass Bach seine Sonaten aus Pflichtbewusstsein schrieb? Oder Tiger Woods seine Golfschläge rein aus Pflicht erfüllte? Nein, sicherlich nicht. Beide haben aus Liebe zu ihrer Tätigkeit höchste Qualität hervorgebracht. Diese Liebe gab ihnen die Stärke und die Disziplin die Niederlagen zu akzeptieren und sie zu den Höhen aufsteigen zu lassen, die sie benötigten, um zu den Besten der Besten zu gehören. Aber was geschah als sie ihren Erfolg erreicht hatten? Sie schafften es erfolgreich zu bleiben.

Doch wieso sind sie nicht ins Burnout gerutscht?

Wer etwas aus Liebe macht, ist bereit Hürden zu nehmen. Doch besteht immer wieder die Gefahr auszubrennen, weil wir keinen Ausgleich haben und zu viele Energie investieren. Jetzt könnte man meinen, dass Ausgleich heute viel eher möglich ist als früher, weil wir ja in einer Zeit der vielen Möglichkeiten leben. Doch weit verfehlt, denn es gibt Forscher die behaupten, wir sind so gestresst wegen der Auswahl, denn das Nein-Sagen und das Abwägen kosten uns sehr viel Energie, die früher nicht benötigt wurde. Zum anderen kommt hinzu, dass viel vielleichter abgelenkt werden als früher. Jedes Neue kostet Energie, auch wenn wir es aufgrund der Euphorie nicht merken. Eustress und Disstress den viele gerne miteinander vergleichen lösen physiologisch dieselben Symptome aus, da unser Körper keinen Unterschied zwischen den Stressarten macht.

Meines Erachtens gibt es eine wichtigen Unterschied zwischen den damaligen Zeiten und heute. Es gab fest Essenzeiten. Das mag Euch jetzt überraschen, dass ich das erwähne, doch damit waren Pausen beim Arbeiten vorhanden, die es heute kaum noch gibt. Wer in einer Kantine in dreißig Minuten essen will, stresst sich dabei, weil das Mittagessen oft Aktivpausen sind, so dass Themen, die vorher bearbeitet wurden, weiter besprochen werden. Früher hatten die Frauen im Haushalt das Essen zu kochen und herzurichten. Dann kamen die Männer an den Tisch und alle aßen gemeinsam. Je nach Kultur wurde sich dabei über das Erlebte ausgetauscht oder still vor sich hin gegessen. Aber selbst wenn still vor sich hin gegessen wurde, gab es sicherlich keine fixierte Zeitdauer der Pause. Hinzukommt, dass, wer kreativ arbeitet, oder ein Thema neu erarbeitet, sich tief in einem Thema einarbeitet, in dem er über das Thema liest oder nachdenkt. Während der Pause kommen wieder viele neue Ideen. Zum Beispiel hatte Einstein während seiner Segeltörns auf dem Wannsee bekanntlich die besten Ideen, denn das Gehirn arbeitet während unserer Pausen weiter.

Nachdenken

Nun möchte ich noch einmal auf das Thema nachdenken kommen, denn Denken bzw. Nachdenken ist etwas, das heute viel zu kurz kommt. Große neue Ideen oder Innovationen kommen selten aus dem Nichts. Oft höre ich, dass die Ideen von Menschen kommen, die viel in Klausur arbeiten. Wer in Klausur geht, möchte nicht alle zehn Minuten gestört werden, sondern in Ruhe denken. Wer in Ruhe arbeitet, kann mit Liebe an seinem Thema arbeiten und etwas Großartiges hervorbringen. Wer sich mit Wissenschaft beschäftigt, liest immer wieder, dass heutzutage geforscht wird wie wild, aber keine großen Würfe, also grandiose Ideen, veröffentlicht werden. Das hängt mit Sicherheit zum einen damit zusammen, dass Idee teuer Technik benötigen, doch auf der anderen Seite, welche Techniken hat denn Einstein benötigt, wenn wir daran denken, dass seine Theorien noch heute nicht vollständig praktisch verifiziert sind? Er hat keine Techniken benötigt, weil er theoretisch gearbeitet hat und seine Theorie aus der Literatur erarbeitet hat. Allerdings hat er, das habe ich mal gelesen, das gängige Forschungsmodell umgekehrt, denn so war es ihm viel logischer und dieses mit Formeln hinterlegt. Das bedeutete aber, dass er die Literatur zu dem Thema sehr gut kennen musste, einschließlich der nötigen Mathematik, um dann seine neuartige Arbeit zur Disputation zur Verfügung zu stellen.

Heutzutage werden Forscher in Zeitverträgen angestellt, so dass sie gezwungen sind in kurzer Zeit etwas zu erarbeiten und immer im Zeitdruck arbeiten. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, spreche ich gerne auf meinen Reisen mit Menschen, die in der Forschung tätig sind und oft höre ich obige Meinung. Hinzukommt, dass nur der Bekannt wird, der nebenbei möglichst viel veröffentlicht, so dass der Druck weiter steigt. Damit wird die Wahrscheinlichkeit eine großartige Forschungsarbeit zu erbringen weiter minimiert, obwohl diese Menschen mit Herzblut in der Forschung tätig sind. Aufgrund der Rahmenbedingung verlassen leider viele die Forschung.

Heute

Aber dennoch haben diese Menschen alle kein Burnout. Krankenschwestern oder Sozialarbeiter hingegen klagen immer wieder über Stress und laufen Gefahr ins Burnout zu geraten. Selbiges gilt für Mitarbeiter in Unternehmen oder Managern. Aber warum ist das so? Genau weiß ich es nicht, aber ich könnte mir vorstellen, sie können selten im Flow arbeiten, weil sie alle paar Minuten gestört werden, weil das Telefon klingelt, weil E-Mails beantwortet werden müssen, weil die gestellten Aufgaben so kurz sind, dass sie keine zwanzig Minuten dauern, die es benötigt in den Flow zu geraten. Krankenschwestern müssen für die Patienten bereitstehen, und wenn jemand klingelt ihre Arbeit unterbrechen, Manager gehen von einem Meeting zum anderen, was zur Folge hat, dass sie ständig in Gesprächen sind und einem Lärmpegel ausgesetzt sind, hinzukommt, dass sie am laufenden Meter Entscheidungen treffen müssen, Aufgaben delegieren oder ausführen müssen hinter denen sie nicht stehen, weil sie von Vorgesetzten so angeordnet wurden, was wiederum zur Folge hat, dass die Mitarbeiter sich beim Manager beschweren und sie sollen rund um die Uhr erreichbar sein, was es früher nicht gab. Wer den Mut hat NEIN-zusagen, darf mit beruflichen Konsequenzen rechnen. Zum Glück beginnen große Konzerne umzudenken, weil sie merken, dass sie die Mitarbeiter ansonsten verlieren.

Letztens hatte ich ein Gespräch mit einer Regionalpolitikerin. Sie meinte, dass wir dringend wieder Innovationen benötigen, damit Deutschland wirtschaftlich erfolgreich bleibt. Die Idee ist gut, doch wann beginnen wir mit der Umsetzung?

Liebt was Ihr tut, setzt Grenzen und ihr werdet erfolgreich ohne Burnout werden.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.