Theorie der Ressourcenerhaltung

Hobfoll (1989, 2001) entwickelt eine Theorie in der er Ressourcen für überlebensnotwendig hält. Angelehnt ist sie an das kognitiv-transaktionale Lazarus Modell, weil beide Modelle Stress, Bewältigung und Handlungsmotivation beschreiben bzw. zu erklären versuchen. Aufgrund ihrer Sparsamkeit und guten wissenschaftlichen Überprüfbarkeit wird sie von wissenschaftlichen Kollegen positive bewertet.

Was sind Ressourcen?

Bei diesen kann es sich um Objekte, Bedingungen, personellen Charakteristiken und Energien handeln, die direkt oder indirekt zum Überleben notwendig sind oder als Mittel der Beschaffung weiterer Ressourcen dienen. Weitere Eigenschaften, die für Ressourcen wichtig sind, zeichnen sich dadurch aus, dass sie für viele Menschen bedeutsam sind, als übereinstimmend wertgeschätzt werden und wichtig für die eigene Person erachtet werden.

Formen von Ressourcen

  1. Objekte / Gegenstände: Alle physikalischen Objekte, die mit dem sozioökonomischen Status der Person verbunden sind. Entgegen Maslows Bedürfnispyramide gehören hier Gegenstände hinzu, die bei Maslow erst auf einer höheren Ebene angesiedelt sind. Beispiele: Nahrung, Auto, Haus, Kleidung, Schmuck, etc.
  2. Bedingungen: Hier versteht Hobfoll keine materiellen Bedingungen drunter, sondern ob eine Person wertgeschätzt wird oder ob die Bedingungen dem Erwerb anderer Ressourcen dienen. Beispiele: Ehe, die Staatsangehörigkeit, das Wahlrecht, die Karriere oder die Gesundheit.
  3. Personelle Ressourcen: Hierbei handelt es sich um stabile Charaktereigenschaften wie stabile Fähigkeiten, Fertigkeiten und Überzeugungen eines Menschen. Beispiele: Optimismus, Offenheit für Neues und Selbst-Wirksamkeit.
  4. Energieressourcen: Energieressourcen sind Quellen für den Erwerb anderer Ressourcen. Beispiele: Geld, Token, Wissen oder Zeit.

Da Ressourcen identitätsstiftenden Wirkung haben, indem sie institutionellen sowie symbolischen Wert besitzen, kann der Verlust von Ressourcen und das Ausbleiben dieser zu Stress führen.

Hobfoll postuliert zwei Prinzipien aus denen vier Korollarien ableiten.

Prinzipien, aus denen sich vier Korollate herleiten

  1. Prinzip: Ressourcenverluste werden schwerwiegender wahrgenommen als Ressourcengewinne. So wie in der Sozialpsychologie wissenschaftlich erforscht wurde, dass negative Ereignisse sich dreimal stärker einprägen als positive, haben wir hier das Prinzip, dass bei gleichen Mengen an Gewinnen und Verlusten die Verluste größere Auswirkungen auf das subjektive Befinden haben als die Gewinne. Aus diesem Postulat schließt Hobfoll, dass das Vermeiden von Verlusten wichtiger ist als das Anstreben von Gewinnen, weil das Vermeiden Überlebenswert besitzt. Gewinne hingegen beschränken sich im Regelfall auf das Vermeiden bzw. Abpuffern von Verlusten. Beispiel: Eine hoch verschuldete Familie, die nicht weiß wie es weitergehen soll. Durch den hohen Verlust des Geldes als Energiequellen sind viele Lebensbereiche betroffen. Die Konsequenzen haben Auswirkungen auf das Wohlbefinden, vielleicht sogar die Gesundheit, weil nicht mehr gesund gegessen wird, aber führen auf jeden Fall zu sehr erhöhtem Stress, vielleicht auch Grübeln, uvm. Schauen wir uns nun eine Person an, die im Lotto gewonnen hat. Anfangs werden einige Anschaffungen, die benötigt investiert, vielleicht eine Weltreise unternommen, aber irgendwann, doch mit größerer finanzieller Freizügigkeit wird zum Alltag zurückgekehrt. Während im ersten Beispiel die Ehe beziehungsweise die Partnerschaft leidet, weil Verluste in der Regel Beziehungsstreitigkeiten über die Geldinvestitionen, Freizeitgestaltung, etc. stattfinden, bleiben nach dem Lottogewinn die Beziehungsproblem in der Partnerschaft bestehen und können durch den Lottogewinn nicht aufgehoben werden.
  2. Prinzip: Ressourcen müssen investiert werden, um sich vor Verlusten zu schützen oder um sich von Verlusten zu erholen oder um neue Ressourcen zu gewinnen. Um diesen Weg einzuschreiten beziehungsweise einzuleiten werden Ressourcen investiert, was wiederum zu Stress führt, da Ressourcen, die bereits erworben wurden und in diesem Fall nicht erhalten werden können, in der Hoffnung einsetzt werden, dass sie sich vervielfältigen.

Aus diesen Prinzipien lassen sich vier Korollarien entwickeln.

Korollarien

  1. Korollarium: Menschen, die über viele Ressourcen verfügen sind weniger anfällig für den Verlust von Ressourcen, weil sie durch andere Ressourcen den Verlust auffangen. Zusätzlich sind sie in der Lage neue Ressourcen schnell und leicht hinzuzugewinnen. Ressourcenarme Menschen hingegen trifft ein Ressourcenverlust schwer.
  2. Korollarium: Aus dem ersten Korolarium kann sich eine Verlust-Spirale entwickeln, die dazuführt, dass ein Ressourcenverlust weitere mit sich zieht. Durch einen Ressourcenverlust ist der Menschen weniger resistent gegenüber neuen Stresssituationen, so dass sich der Wahrscheinlichkeit weitere Verluste zu erleiden erhöht.
  3. Korolarium: Wenn sich ein Mensch eine gute Ressourcenbasis erschaffen hat, ist dieser zunächst im Vorteil, weil es ihm möglich ist neue Ressourcen mit kaluklierbarem Risiko zu erwerben (Gewinn-Spirale). Da Verlustspiralen wir wir bei den Prinzipien erfahren haben das Wohlbefinden sehr viel stärker negativ beeinflusst, sollten Korollarium zwei und drei nicht als Gegenspieler verstanden werden.
  4. Korolarium: “Personen, die über nur wenige Ressourcen verfügen, sollten eher defensive Bewältigungsstrategien anwenden, um ihre bestehenden Ressourcen zu schützen. (Hobfoll, 1989). Bewältigungsstrategien sind nach Hobfoll an erster Stelle die Erhaltung gefährdeter Ressourcen, die die Verlust-Spiralen aufhalten sollen. Im zweiten Schritt heißt es die stabilen Ressourcen auszubauen.

Versuche nun die Stresstheorie auf Dein Leben anzuwenden und ich denke, dass Du viele Situationen finden wirst, wo Du sie anwendest. In Zeiten wo uns zum Beispiel ein Haushaltsgerät kaputt gegangen ist und wir ein neues kaufen mussten, werden wir im nächsten Monat nicht hingehen und einen teuren Urlaub für den nachten Monat buchen, sondern werden warten bis sich die Finanzen wieder stabilisiert haben, so dass wir in Ruhe den Urlaub buchen können.

Literatur:

  1. Knoll, N., Scholz, U., Dieckmann, N. (2013). Einführung in die Gesundheitspsychologie, UTB.
  2. Hobfoll, S.E. (1989). Conservation of Resources: A New Attempt at Conceptualizing Stress: American Psychologist 44, 513 – 524.
  3. Hobfoll, S.E. 2001). the Influence of Culture, Community, and the Nested Self in the Stress Process: Advancing Conservation of Resources Theory. Applied Psychology: An International Review 50, 337-421.
  4. Hobfoll, S.E. (1988). The ecology of stress. New York: Hemisphere.
  5. Hobfoll, S.E. & Buchwald, P. (2003). Burnout. In J. Koblitz & N. Posse (Hrsg.), Weiterbildung und Beratung. Zum Dialog von Theorie und Praxis (S. 87-110). Berlin: Logos.
  6. Hobfoll, S. E., & Shirom, A. (2000). Conservation of resources theory: Applications to stress and management in the workplace. In R.T. Golembiewski (Hrsg.)Handbook of organization behavior (2, überarbeitete Auflage; S. 57-81). New York, New York: Marcel Dekker.

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