Stille

In unserer schnelllebigen Zeit nehmen wir ständig, fast rund um die Uhr Eindrücke auf. Wenn wir überlegen, dass wir mit fünf Sinnen ausgestattet wurden, können wir uns ausrechnen wie viele Eindrücke täglich auf uns einströmen, die unsere Gehirn zu verarbeiten hat. Dabei gibt es Unterschiede wie sehr uns die Eindrücke, die auf uns einprasseln, beeinflussen. Von Hochsensiblen ist bekannt, dass sie sehr viele Eindrücke aufnehmen und wahrscheinlich zu spät oder zu wenig filtern können, so dass sie schneller gestresst sind als andere Menschen. Dabei kann der Reiz, der den oder die Hochsensible stresst, sehr unterschiedlich sein, doch bei Vielen ist es Lärm. Und Lärm stresst nicht nur Hochsensible, sondern alle Menschen.

Studien

Studien zeigen, dass chronischer Lärm sogar zum Herzinfarkt führen kann. Eine weitere Studie besagt, dass chronischer Lärm Vorhofflimmern auslösen kann, weil Lärm unseren Organismus stresst. Aufgrund der Gefahr, die Lärm auf unseren Organismus hat, hat das Bremer Klinikum nach der Analyse des Lärms ein Schutzkonzept entwickelt. Diese extremen Studien zeigen Dir wie wichtig Ruhe und Stille für unseren Körper ist. Jeder Lärm stresst Deinen Körper, auch wenn Du es bewusst nicht wahrnimmst. Dazu stelle ich Dir jetzt eine weitere Studie vor.

In der Studie, wurde Probanden Musik vorgespielt. Dabei variierten die Forscher die Tempi, den Rhythmus, die melodische Struktur, bauten Pausen ein, beachteten individuelle Vorlieben, Gewohnheiten, die Reihenfolge der Darbietung und vorheriges Musiktraining. Sie maßen während die Probanden Musik hörten, deren kardiovaskuläres Variablen und den Atem. Genauer maßen die Forscher die Atemfrequenz, den Luftzug bei der Atmung, Kohlendioxid, Blutdruck sowie die Strömungsgeschwindigkeit in der Mittleren Hirnaterie, den Baroreflex und einiges mehr. Die Musikfetzen wurden zwei oder vier Minuten dargeboten. Begonnen wurde wie immer mit einer Baseline. Als Kernergebnis fanden die Forscher, dass nur die Stille während der Pausen den Körper wirklich entspannten. Selbst Entspannungsmusik hat nicht zu der Entspannung geführt die Stille unserem Körper gibt. Dabei reichten laut dieser Studie bereits zwei Minuten Stille, um unseren Organismus so zu entspannen wie es keine Musik kann.

Weitere Studien zu Lärm durch Züge, Flugzeuge und anderen Transportmitteln unterstützen diese Studien. Stress wird bereits durch Natur in Städten reduziert. Lauter Lärm aktiviert die Amygdala, die daraufhin das Stresshormon Cortisol ausschüttet. Dieses haben wir kennengelernt als ich über die physiologischen Prozesse die bei Stress ablaufen schrieb.

Wie viel Stille gibst Du Dir?

Stille ist für Deinen Organismus überlebenswichtig. Stille gibt Deinem Gehirn Freiheit. Keine neuen Eindrücke die Dein Gehirn zu verarbeiten hat. Es darf einfach vor sich hin arbeiten. Wie viel Stille hälst Du aus? Immer wieder hören ich Menschen sagen, dass sie den ganzen Tag Musik, das Radio oder den Fernseher laufen haben. Für den Körper ist das, abgesehen von der Strahlung des Gerätes purer Dauerstress. Allerdings weiß ich keine Studie die untersucht, ob die Wohnungsumgebung so laut ist, dass die Musik bzw. das Laufenlassen eines Gerätes dieser verdrängt und damit zur Beruhigung dient.

Baue bewusst Stille in Dein Leben ein, da sie Dir helfen wird, zu entspannen und den täglichen Stress besser zu verarbeiten, denn häufig bemerken wir gar nicht, wie sehr uns die Umgebung stresst, weil wir mit unserem Leben so sehr beschäftigt sind, dass wir nicht mitbekommen wie sehr wir uns gerade gestresst fühlen. Der Mensch ist Weltmeister im Verdrängen.

Schlafplatz

Wichtig ist, dass Dein Schlafplatz still ist und sehr wenige Geräusche von außen in den Raum dringen, denn der Schlaf ist unsere wichtigste Erholungszeit. Während des Schlafes verarbeitet das Gehirn das Geschehene, indem es das das Erlebte sortiert. Es finden neuronale Erneuerungen statt, die Dir helfen die Aufgaben des nächsten Tages zu bewältigen. Wie wichtig Stille für unsere Konzentration ist, zeigt eine Studie an Kindern, die Lesen lernten während circa alle viereinhalb Minuten ein Zug an der Seite des Schulgebäudes vorbeifuhr. Verglichen wurde das Lernniveau mit Kindern, die auf der anderen Seite des Gebäudes lernten. Das Ergebnis wird Dich jetzt sprachlos machen. Die Kinder an deren Seite die Züge vorbeifuhren, hingen ein Jahr mit Ihren Leseleistungen hinterher. Wenn Du Dir jetzt überlegst wie sich Lärm auf Deine Nachtruhe auswirkt, kannst Du Dir vorstellen, warum Du am nächsten Tag unausgeschlafen und unkonzentriert bist, wenn Du Dir in Deinem Schlafzimmer keine Stille gönnst.

Baue in Dein Leben Stille ein. Ich behaupte sogar, dass Lärm Dein Leben verkürzt, weil die Wahrscheinlichkeit Vorhoffflimmern oder einen Herzinfarkt zu erleben, erhöht ist.

Um es mit Wilhelm Busch zu sagen: „Wer leben will, der muss was tun.“ Also tu etwas dafür.

  1. MMW Fortschritte der Medizin 160(20):16-16, DOI: 10.1007/s15006-018-1193-6, 11/2018
  2. Pflege Zeitschrift 71(10):61-62, DOI: 10.1007/s41906-018-0734-z, 10/2018
  3. Pflege Zeitschrift 70(7):61-61, DOI: 10.1007/s41906-017-0141-x, 07/2017
  4. Cardiovascular, cerebrovascular, and respiratory changes induced by different types of music in musicians and non‐musicians: the importance of silence
  5. Silence, please

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.