Akzeptanz

In wie weit bist Du mit dem was Du in Deinem Leben bisher erlebt hast im Reinen?

Jeder erlebt Ereignisse in seinem Leben, die er lieber nicht erlebt hätte. Du weißt was Du in Deinem Leben gelitten hast und vielleicht leidest Du heute noch unter dem ein oder anderen. Die Vergangenheit kannst Du nicht mehr ändern, sie ist so gesagt Geschichte, aber was Du kannst, ist sie akzeptieren als einen Teil Deines Lebens, der Dich geprägt hat.

Ich sage Dir, dass das was Du erlebt hast, immer, egal was es war, gute Seiten hatte. Schaue mal genau hin was es Dir Gutes getan hat. Ich erzähle Dir jetzt wieder etwas von mir. Klar kann ich Geschichten von anderen erzählen, doch meine habe ich erlebt und zu denen kann ich Dir schreiben wie ich sie erlebt und wie ich sie verarbeitet habe.

Beispiel

Meine Mutter war Alkoholikerin und wie Du Dir denken kannst, war das keine unbedingt leichte Kindheit. Sie war mit Streit zwischen unseren Eltern, der Sucht, meiner Schule und natürlich so wie es mir möglich war meiner Kindheit geprägt. Nach der Schule gab es Essen und dann hieß es Hausaufgaben machen. Meine Mutter respektierte ich bereits damals nicht, so dass ich bereits in der Grundschule rebellierte. Doch möchte ich Dir von etwas anderem erzählen. Eines Tages, ich war neun Jahre alt, kam ich nach Hause, mein Bruder war auch bereits aus der Schule nach Hause gekommen, wir hatten gegessen und machten unsere Hausarbeiten. Unsere Mutter hatte wie fast immer getrunken und irgendetwas wollte ich von ihr. Was, weiß ich heute nicht mehr, aber sie kam aus dem Schlafzimmer unserer Eltern und in dem Moment wo ich sie sah, wusste ich, dass etwas nicht stimmte. So plante ich an ihr vorbei ins Schlafzimmer zu gehen. Doch sie versuchte es mir zu verbieten. Mit dem Kampf gelang es ihr aber nicht mich davon abzuhalten, ins Schlafzimmer zu gelangen, denn ich gewann den Kampf. Als ich im Schlafzimmer war, wusste sehr schnell was passiert war. Sie hatte Gift genommen. Nun hieß es für mich und meinen Bruder handeln. Da unser Vater, aus welchen Gründen immer, uns kurz vorher gesagt hatte, dass sie Kindern, die einen Krankenwagen rufen, nicht glauben, es war im Jahr 1976, wählte ich sofort die Telefonnummer unserer Nachbarin. So wie es Murphy vorschreibt, ging sie nicht ans Telefon. Sofort schickte ich meinen Bruder in den Garten, damit er checkt, ob sie nicht auf der Terrasse sind. Dort fand er sie und informierte sie, so dass sehr bald der Krankenwagen eintraf. Ein Sanitäter wagte es tatsächlich noch zu bemerken, dass es ihm lästig war die Treppen hoch zu gehen. Da hätte ich ihm am Liebsten in seinen Allerwertesten getreten, damit er da hoch fliegt. Es kam raus, dass sie Alkohol und E605 – ein Nervengift – genommen hatte. Wer das Nervengift kennt, weiß, dass dieses bleibende Schäden hinterlassen kann. Die Ärzte kämpften eine Woche um das Leben unserer Mutter wobei nicht klar war welche Schäden sie davon tragen würde. Dankbarer Weise blieben keine Schäden zurück. Nach ihrem Krankenhausaufenthalt ging sie für drei Monate in die Psychiatrie zum Entzug und in psychotherapeutische Behandlung. Danach kam sie als neuer Mensch zurück. Die Schwierigkeiten begannen dort von Neuem, weil sie als gestärkte Persönlichkeit zurückkehrte und ich anfangs damit gar nicht umgehen konnte.

In dieser Situation habe ich aus Unwissenheit, wie ihr wahrscheinlich bereits ahnt, im Grunde genommen alles falsch gemacht. Ich hätte ihr die Finger in den Mund stecken müssen, doch wusste ich es einfach nicht besser und habe nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt.

Hilflosigkeit

Ich denke, dass Du erkennst, dass dieses eine Lebenssituation ist, die ich nur akzeptieren konnte, denn im Grunde genommen waren wir alle völlig hilflos und überfordert und besonders hilflos während der Woche, wo unsere Mutter um ihr Leben kämpfte. Der Alltag ging weiter. Mein Bruder und ich gingen zur Schule und unser Vater arbeitete. Nach der Schule waren wir nach einem kurzen Intermezzo bei unseren Nachbarn, die wir bereits viele Jahre kannten und um das Problem zu Hause wussten. Natürlich waren wir alle erleichtert als klar war, dass sie wieder gesund und munter werden würde. Es hieß die Situation zu akzeptieren und auszuhalten.

Im Grunde genommen habe ich die Situation nicht nur akzeptiert, ich habe viel daraus gelernt, denn die komplette Verantwortung lag in der Anfangssituation komplett in meinen Händen. Und Verantwortung übernehme ich heute noch gerne. Des Weiteren bin ich risikofreudig, so dass ich damals gelernt habe, es lohnt sich die Risiken, die Handeln mit sich bringen auf sich zu nehmen, um Erfolge zu erzielen. Es mag auf die Härteste aller Arten gewesen sein, doch solch eine Situation prägt das Leben einschneidend.

Nur aus Ereignissen, die Du in Deinem Leben akzeptierst und in denen Du in Deinem Rahmen handelst, kannst Du lernen. Aus allem, wogegen Du Dich sträubst, kannst Du keine positiven Erfahrungen herausziehen.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.