(chronische) Krankheit

Vor einiger Zeit wurde ich gefragt wie mit Schmerzen und chronischer Krankheit umgehen. Grundsätzlich kann ich gleich sagen, es gibt genauso wenig ein Patentrezept dafür wie für den Umgang mit Stress.

Warum habe ich chronisch in Klammern gesetzt?

Weil sich Menschen unter Stress bereits mit einer Grippe, die sie aus ihrer Bahn schmeißt, schwer tun. Im Tunnelblick ist keine Krankheit vorgesehen, wenn die Krankheit dann kommt, ist die “Katastrophe” da, denn der oder die Gestresste gerät in Panik, also Stress, weil sie gar nicht mehr weiß wie sie das Liegengebliebene bewältigen soll. Gestresste leben in einer Opferrolle und nun fühlen sie sich noch mehr als Opfer ihrer Situation. Sie fühlen sich machtlos und ausgeliefert.

Wenn Du feststellst, dass Du in Unruhe bei dem Gedanken gerätst, dass Du, wenn Du krank wirst aus der Bahn geschmissen wirst, weil Du glaubst – und da sind wir bei einem Glaubenssatz – Dein Pensum nicht mehr zu schaffen und vielleicht mit Konsequenzen rechnest, solltest Du Dein Verhalten überdenken und gegebenenfalls anpassen.

Bei chronisch Kranken sieht die Situation völlig anders aus. Sie müssen mit ihrer Krankheit jeden Tag oder immer mit einem Schub rechnen, weil sie Phasen haben, die ohne oder mit wenig Symptomen sind und andere Phasen haben wo sich viele Symptome zeigen. Sie können, wir bei Allergien ohne Schmerzen oder mit Schmerzen auftreten.

Akzeptanz

Bist Du chronisch krank? Wie gehst Du damit um? Wichtig ist, dass Du zu erst lernst sie zu akzeptieren, sie als Teil Deines Lebens zu erkennen. Es ist schwer eine chronische Krankheit zu akzeptieren, denn sie hindert uns auf verschiedene Weise unsere gewohnte Leistung zu erbringen. Sie zwingt uns zu Pausen, die wir früher niemals gemacht hätten. Chronisch Schmerzen zu akzeptieren ist noch einmal eine weitere Herausforderung, denn sie blockieren regelrecht unser Denken. Chronische Schmerzen haben einen ganzen Berufszweig hervor gebracht, denn mittlerweile und dankbarer Weise haben wir in Deutschland viele Schmerztherapeuten und -kliniken, da erkannt wurde, dass Menschen mit Schmerzen nicht über Jahre hinweg Schmerzmittel ohne das es vielfach in einer Sucht endet. Zudem ruft jedes Medikament weitere Nebenwirkungen hervor.

Dennoch können Schmerzmittel zu Beginn hilfreich sein, da unser Mindset für ein Leben mit Schmerzen ausgelegt ist. Aber mit der Zeit ist es wichtig, dass Du, wenn Du unter chronischen Schmerzen leidest, lernst, sie als Teil Deines Lebens zu akzeptieren. Akzeptieren bedeutet für mich nicht, sie auszuhalten und in der Opferrolle zu verharren.

Selbstwirksamkeit

Wenn Du die Opferrolle verlässt und Dich entscheidest, dass Du Dein Leben beeinflussen kannst, dann wirst Du im ersten Schritt die Krankheit als Teil Deines Leben akzeptieren. Als Folge wirst Du die Krankheit in Dein Leben integrieren. Das ist auf keinen Fall ein Prozess von heute auf morgen, sondern ein Lernprozess mit Höhen und Tiefen. Die Tiefen können sehr niederschmetternd sein, und Dich zweifeln, entmutigen und an Deinem Schicksal zaudern lassen.

Wichtig wird für Dich ein Netzwerk sein, dass Dich immer wieder aus diesen tiefen resignativen Situationen herauszieht. Natürlich bist Du diejenige, die sich da herausziehen muss, doch braucht es ein Netzwerk was Dich dabei unterstützt und Dir auch mal die Wahrheit sagt, wenn Du nicht mehr kämpfen willst. Das können sehr harte Situationen sein und diese Freundschaften müssen Streit, Ärger und vieles mehr aushalten können.

Erdung

Versuche in Dein Leben Routinen einzubauen, damit Du, egal wie schlecht es Dir geht, einen Rhythmus hast, den Du so weit es möglich immer aufrecht erhältst. Die Routinen und die Erdung werden Dir mit ihrer Stabilität in Krisensituationen helfen Halt zu haben und Dich ablenken.

Glück und Freude

Du magst meinen, dass ich spinne, doch glücklich machen uns oft die kleinen Dinge, nicht die Großen. Egal wie schwer Deine Krankheit ist, Du kannst immer wählen, ob Du Dich über die Blumen, die in Deinem Zimmer stehen freust, oder sie ablehnst. Wenn Du Dich freust, bist Du positiv und bereits diese kleine Veränderung hilft Dir Dein Leben positiv zu gestalten. Versuche, besonders zu Beginn Deiner Krankheit zu lernen Deinen Blick auf die positiven Dinge zu richten.

Meditation und Yoga

Es gibt die Theorie, dass jede Krankheit durch Stress entsteht. Ob sie stimmt, weiß ich nicht, doch sie macht uns sehr deutlich wie wichtig es ist unseren täglichen Stress in den Griff zu bekommen. Stress zu reduzieren ist durch Meditation möglich und wissenschaftliche Studien belegen, dass sie Schmerzen lindert oder reduziert. Meditation bei Schmerzen zu lernen, kann ein wichtiger Weg weg von abhängig machenden Medikationen sein.

Flexibilität und Kreativität

Wenn es Dir gelungen ist, Deine Krankheit oder Deine Schmerzen zu akzeptieren, Du weißt, dass Du für Dein Leben verantwortlich bist und erkannt hast, dass Du für Dein Glück verantwortlich bist beziehungsweise gelernt hast, dass Du Dein Leben beeinflussen kannst, egal was gerade passiert, wird Dein Leben eine neue Richtung annehmen. Eine chronische Krankheit oder Schmerzen sind immer ein einschneidendes Erlebnis in Deinem Leben, doch wie ich schreibe bedeutet es nicht, dass Du den Kopf in den Sand stecken brauchst. Warum benötigst Du Flexibilität? Weil eine chronische Krankheit Deinen bisherigen Lebenswandel einschränkt und es Dir nicht ermöglicht so weiterzuleben wie bisher. Das beinhaltet, dass Du in Deinem Leben Umstrukturierung benötigt, die es Dir ermöglicht wieder ein glückliches Leben zu führen. Glück definierst Du, denn ich weiß nicht, was Dich glücklich macht.

Überlege Dir was Du zu Deinem Lebensunterhalt beitragen kannst. Ich sage immer, egal wie schlecht es einem geht, nach einer gewissen Zeit kann jeder wieder seinen Teil zum Lebensunterhalt beitragen. Allerdings benötigt es Flexibilität und Kreativität sowie den Willen dazu. Flexibilität deswegen, weil es bedeutet, zu schauen was kann ich leisten? Dabei ist es völlig egal was. Es können Bilder sein, die Du mit dem Mund malst, es können Texte sein, die Du schreibst und verkaufst, es können Geschichten sein, die Du aufnimmst und vertreibst, oder einfach essen für Nachbarskinder kochen während die Eltern arbeiten, und vieles mehr. Ich denke, dass in unserer Zeit durch die Digitalisierung viel mehr möglich ist als es noch vor zwanzig Jahren. Natürlich kann es sein, dass Du nur drei Stunden am Tag arbeitest. Aber diese sind wichtig für Dich, weil sie Dir helfen zu erkennen, dass Du zum einen zu Deinen eigenen Lebensunterhalt beiträgst, auf der anderen Seite Dir das Gefühl von Gebraucht werden, geben. Du bist wichtig.

Nun kommt es darauf an was Du aus Deiner Situation machst. Nicht bei allem kann ich Dir helfen oder Dich unterstützten, weil ich kein Arzt oder Therapeut bin. Für die Routinen habe ich einen Selbstlernkurs entwickelt, in dessen Mittelpunkt der perfekte Tag steht, der verschiedene Dinge in Deinen Alltag einbaut. Was der perfekte Tag beinhaltet, kannst Du in meinem kostenlosen Kurs kennenlernen. Allerdings kann ich Dir verraten, dass Meditation ein Teil dessen ist und immer wieder in meinen Selbstlernkursen enthalten ist.

Literatur:

  1. Coaccioli, S., et. al. (2016). Meditation as a Useful Chance for Chronic Pain Decrease, J Psychiatry 2016, 19:3http://dx.doi.org/10.4172/2378-5756.1000369. DOI: 10.4172/2378-5756.100036
  2. Zeidan, F. (2016). Mindfulness-Meditation-Based Pain Relief Is Not Mediated by Endogenous Opioids. The Journal of Neuroscience 36(11):3391-3397, DOI: 10.1523/JNEUROSCI.4328-15.2016.
  3. Zeidan, F. et. al. (2016). Mindfulness meditation-based pain relief: a mechanistic account. Annals of the New York Academy of Sciences 1373(1):114-127, DOI: 10.1111/nyas.13153.

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