Sozialer Rückzug

Wir Menschen werden manchmal Herdentiere genannt, weil wir uns gerne einer Gruppe anschließen. Doch wie es es bei Dir? Bist Du gerne Teil einer Gruppe oder unternimmst Du gerne Dinge alleine und ziehst Dich gerne zurück? Beides ist für uns Menschen gesund. Es kommt auf Deine Persönlichkeit an.

Wenn Du im Stress bist, wie verhältst Du Dich da? Sagst Du Deinen sozialen Kontakten ab, weil Du meinst nur ohne sie Deine Aufgaben bewältigen zu können, oder triffst Du trotzdem Deine Freunde und Bekannten?

Während ich mir so die wissenschaftliche Literatur ansehe, fällt mir auf wie früh dieses Thema bereits von der Wissenschaft aufgegriffen wurde. Bereits Piaget, einer der ersten sehr bekannten Psychologen für Kinderpsychologie hat den sozialen Rückzug bei Kinder erwähnt. Der soziale Rückzug vor allem während der Pubertät wird in der Literatur häufig diskutiert.

Isolation

In einem sehr frühen Artikel zu diesem Thema wird herausgestellt, dass gravierende Lebensereignisse von einem stabilen sozialen Gefüge zu einem unsicheres Gefüge entstehen können. Erwähnt wird, dass das Alter keine Rolle spielt. Mich überrascht es nicht, denn wir erleben egal in welchem Alter Situationen, die wir vorher nicht bewältigen mussten und dazu führen können, dass wir uns in eine Richtung entwickeln, die nicht gut für uns ist, das heißt wir entwickeln uns in eine Richtung, die uns zu gesellschaftlicher Einsamkeit führt, weil wir meinen, dass die andere unrecht haben und uns einfach nicht verstehen. Genau dieser Prozess findet bei Gestressten statt. Durch ihren Tunnelblick meinen sie, dass die Umwelt sie nicht versteht und sie auf dem richtigen Weg sind. Dieser Weg führt dann zum sozialen Rückzug.

Die fehlende Anpassung führt zu Aggressionen bei der gestressten Person, die sich einsam fühlt, weil sie meint, dass sie im Recht ist. Die Aggression führt als Konsequenz jedoch zu weiterer Einsamkeit, weil das Umfeld die Person, also Dich, für anstrengend hält und sich zurückzieht.

Wie geht es Dir damit, wenn Du dieses liest? Erkennst Du Dich darin wieder?

Die Einsamkeit kann im nächsten Schritt zur Depression führen, weil Du als Mensch ein Herden- beziehungsweise ein Gruppenmensch bist. Wenn Du diese Stufe, die gleichzeitig die Stufe zu einem Burnout kennzeichnet und ab nun die Behandlung in ärztliche Hände gehört, verhindern willst, solltest Du auf Deine Freunde, Familie und Kollegen hören und Dir dringend Zeit mit Deinen Lieben verbringen und überlegen, wie Du Dein Mindset so programmiert bekommst, dass Du Dich zurück in die Gesellschaft begibst. Dafür kann es Dir helfen, über die Argumente nachzudenken und zu überlegen wie es Dir gelingt, die Argumente in Deinem Alltag umzusetzen.

Schlaf

Schlafmangel führt laut Studien zu sozialer Einsamkeit. Wie wichtig der Schlaf für unsere Erholung ist, erwähne ich ja immer mal wieder, spätestens bei meinem perfekten Tag wird der Schlaf mit aufgeführt. Wenn Du gestresst bist und schlecht schläfst, kann der Schlafmangel zu sozialem Rückzug führen, einfach deswegen, weil Du Termine absagst, ob Deiner Müdigkeit. Termine sind Dir in dieser Situation zu anstrengend und Du bist froh, wenn Du Deinen täglichen Ablauf schaffst. Überlege Dir, wann Du das letzte Mal richtig gut ausgeschlafen hast und Dich erholt fühltest. Stress führt zu Schlafstörungen, die Dich hindern, Dein Arbeitspensum wie früher routiniert zu bewältigen.

Schmerzen

Über Schmerzen hatte ich bereits gestern einen Blog geschrieben, doch haben Schmerzen Einfluss auf unser soziales Leben, denn chronische Schmerzen, zum Beispiel Rückenschmerzen durch Stress führen teilweise zu Depressionen und Depressive neigen dazu sich sozial zurückzuziehen, weil sie sehr viel jammern, sich als Opfer sehen, etc.. Wenn ich mit Depressiven Kontakt habe, fällt mir immer wieder auf, dass sie sich die Welt argumentativ so drehen – also wie in einer Argumentationspirale, dass ich auf keinen Fall an ihrem Krankheitsgewinn in Frage stelle. Für mich machen sie den Eindruck, dass sie wie oben bereits an anderer Stelle erwähnt ein Mindset aufgebaut haben, dass mit der sozialen Umgebung nicht übereinstimmt und sie dadurch vereinsamen.

Kennst Du es, dass Du die Argumente anderer Dir so drehst, dass sie wieder in Dein Mindset passen? Gestresste neigen dazu, über das Gesagte von außer nicht zu reflektieren, sondern die geäußerten Argumente mit aller Kraft wegzudiskutieren, weil sie Angst haben ihre Situation verändern zu müssen. Die schlechte Situation ist ihr Halt und sie loszulassen würde bedeuten ins “Bodenlose” zu fallen. Daher laufen sie lieber weiterhin in ihrem eigentlich erfolglosen Hamsterrad.

Literatur:

  1. Harris, R. A. (2014). Chronic pain, social withdrawal, and depression. Journal of Pain Research 7:555-6; DOI: 10.2147/JPR.S71292.
  2. Porcelli, S. et. al. (2018). Social brain, social dysfunction and social withdrawal. Neuroscience & Biobehavioral Reviews, DOI: 10.1016/j.neubiorev.2018.09.012.
  3. Ben-Simon, E. et. al. (2018). Sleep loss causes social withdrawal and loneliness, DOI: 10.1038/s41467-018-05377-0.
  4. Rubin, K. H. (1988). Origins and consequences of social withdrawal. In book: Clinical implications of attachment. Edition: 1. Chapter: Origins and consequences of social withdrawal. Publisher: Lawrence Erlbaum Associates, Inc.. Editors: Jay Belsky, Teresa Nezworski
  5. Piaget, J. https://de.wikipedia.org/wiki/Jean_Piaget

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