Commitment

Häufig schreibe ich über Entscheidungen, weil ich diese für zentral halte, wenn du deinen Stress reduzieren möchtest. Heute Morgen kam mir der Gedanke, dass es gar nicht unbedingt die Entscheidungen sind, die es dir ermöglichen deinen Stress zu reduzieren, sondern dein Commitment zu deiner Entscheidung zu stehen. Bisher hatte ich dieses als selbstverständlichen Schritt nach der Entscheidung angenommen, doch erkenne ich, dass nicht die Entscheidung, sondern das Commitment die eigentliche Herausforderung für viele ist.

Entscheidungen treffen

Immer wieder treffe ich auf Menschen, die Entscheidungen treffen und diese auch kommunizieren, doch wenn es darum geht, die Entscheidung in die Praxis umzusetzen, sind sie dazu nicht in der Lage. Ich will das einmal an einem Beispiel verständlicher machen.

Ein Teilnehmer hat am Mittwoch einen Termin, der mit ihm gemeinsam abgesprochen wurde. Als der Mittwoch kommt, erscheint er zu dem Termin nicht. Doch ruft er am nächsten Tag von sich aus an und vereinbart einen neuen Termin und versichert, dass er dann käme. Zu diesem Termin erscheint er auch und es wird gut zusammen gearbeitet. Daraufhin wird der nächste Termin mit ihm in seiner Gegenwart vereinbart und er erscheint wieder nicht, obwohl er fest versprochen hat zu kommen.

An diesem Beispiel siehst du sehr deutlich, dass der Herr eine Entscheidung getroffen hat, dieses aber nicht in ein Commitment umsetzen kann oder will.

Konsequenzen

Bereits in meinem letzten Artikel habe ich zu den kurz- sowie langfristigen Folgen des Verhaltens gesprochen. Darauf möchte ich heute noch einmal detaillierter eingehen.

Im Grunde sind die Folgen das Ende einer Handlungskette, die entweder mit negativen oder positiven langfristigen Folgen endet.

Werte

Bevor ich zu den Auslösern komme, muss ich noch Werte und Motive vorstellen. Werte werden dir durch deine Eltern, durch dein Umfeld als Kind und deine Freunde vermittelt. Es kann passieren, dass du bereits als Kind einen Widerspruch in den Werten, die dir als Kind vermittelt wurden erkennst. Lass mich das an einem Beispiel deutlich machen.

Meine Großeltern wurden Ende des neuzehnten Jahrhunderts geboren, so dass sie bereits “zwei” Jahrhunderte von dem heutigen Datum geboren wurden. Damit wurden sie sogar noch in der Kaiserzeit geboren. Sie haben mir Werte vermittelt, die es heute gar nicht mehr gibt, zum Beispiel habe ich bis zu meinem achtzehnten Lebensjahr geknickst. Auf der anderen Seite waren dort meine modernen Lehrer und Klassenkameraden, die teilweise solche Werte gar nicht vermittelt bekamen. Hinzukam noch, dass meine Eltern beide studiert hatten, mein einer Großvater bereits ein Doppelstudium absolviert hatte und der Großvater mütterlicherseits bereits beiden Töchtern das Studium finanzierte und darauf großen Wert legte, also für damalige Zeit sehr fortschrittlich war. Damit wurde auf Bildung sehr großen Wert gelegt und ich musste auch während der Ferien und an Wochenenden zusätzliche Inhalte lernen. Das sind natürlich Werte, die heute teilweise nicht mehr in der Intensität vermittelt werden und bei mir zu manchem Widerspruch geführt haben.

Auf der anderen Seite haben mich diese Werte haben mein Leben geprägt und beeinflussen mein Leben heute noch, so dass meine Handlungen auch heute noch aus diesen Werten motiviert sind.

Motive

Aus deinen Werten speisen sich wie beim mir deine Motive. Aus welchem Motiv du bestimmte Entscheidungen triffst, erkennst du, wenn du deine Werte im Leben kennst.

Interne und externe Motive

Um zu verstehen, warum du dich zu einigen Entscheidungen nicht commitest, muss ich dir noch den Unterschied zwischen internen und externen Motiven erklären.

Bei internen Motiven handelt es sich um das Verhalten, welches du aus deinen Werten herleitest. Wenn ich zum Beispiel entscheide, dass ich ein zweites Studium absolvieren möchte, weil dieses zu meinem persönlichen Lebensweg passt, dann werde ich das mit großer Wahrscheinlichkeit abschließen, weil ich Werte von zu Hause mitbekommen habe, die mir vermittelt haben, dass ich mit Wissen Erfolge erziele. Wenn ich jedoch die Erfahrung mache, dass Wissen heute nicht mehr viel Wert ist, kann es passieren, dass ich trotzdem das Studium absolviere, weil es für mich wichtig ist; also weil ich von mir aus motiviert bin, dieses Wissen zu erwerben.

Jetzt kann es aber auch ganz anders sein. Dein Arbeitgeber setzt das Studium voraus, damit du eine Führungsposition bekommst. Nun kommt die Motivation von außen und du kann dich damit vielleicht gar nicht identifizieren, weil in deiner Familie noch nie jemand studiert hat, weil du aus einem Elternhaus kommst, in dem nie viel Wert auf Bildung gelegt wurde, sondern es wichtiger war, dass du gleich nach der Schule arbeitest. Dann sieht es wahrscheinlich mit deiner Motivation ganz anders aus. Vielleicht sagst du zu deinem Arbeitgeber ja, aber du findest nie die interne Motivation wirklich das Studium konsequent durchzuziehen, weil du denkst, dass es vertane Zeit ist und studierst halbherzig vor dich hin.

Auf die Werte und Motivation komme ich zum Ende meines Artikels noch einmal zurück.

Doch jetzt erst einmal zu den Auslösern deines Verhaltens.

Auslöser

Bei jedem Auslöser, den wir in unserem Leben erfahren, lernen wir, in dem wir bekanntes Wissen mit den fünf Sinnen verknüpfen und diesen Auslöser entweder als negativ oder als positiv zu bewerten. In unserem Fall oben bezüglich der Termine würde die Terminansprache Bewertungen auslösen. Jetzt ist es so, dass ich natürlich nicht weiß, was der Herr, den ich oben verwendet habe wirklich gedacht hat, denn Gedanken sind frei, doch nehme ich an, dass er mit dem Termin etwas nicht positiv verknüpft hat und aus diesem Grunde nicht erschien. Er könnte Gedanken gehabt haben wie: “Im Grunde genommen bringt mir der Termin sowieso nichts.” oder “Die fühlen mir wieder auf den Zahn. Das ist unangenehm.” oder “Ich setze doch deren Aufgaben sowieso nicht um, weil ich das nicht schaffe. Dann kann ich mir den Termin auch knicken.” oder “Das Jobcenter will, dass ich den Termin wahrnehme, aber das bringt doch sowieso nichts.” und so weiter…

Bewertungen

Deine Bewertungen sind von deinen Werten und Motiven beeinflusst. Wenn du zum Beispiel vorgelebt bekommen hast, dass deine Eltern und Großeltern zum Grillen Bier trinken, ist es sehr wahrscheinlich, dass du bereits eine kognitive Verknüpfung im Gehirn hast, die Grillen mit Bier und Alkohol positiv verbindet, wenn du zum ersten Mal in deinem Leben Bier trinkst. Somit ist es für dich selbstverständlich das zum Grillen Bier gehört, und so kam was kommen musste, dass dir dein Vater in einem bestimmten Alter eine Bierflasche in die Hand gedrückt hat und dich eingeladen in Zukunft zum Grillen ein oder mehrere Biere zu trinken. Welche Motivation hast du in diesem Falle, das Bier nicht abzulehnen? In dem Moment willst du wahrscheinlich dazugehören und fühlst dich wieder ein Stück weiter erwachsen, etwas was Kinder und Jugendliche erstrebenswert halten. In dem Fall hast du den Alkohol positiv bewertet und ihn für dich angenommen.

Wenn ich jetzt eine ganz andere Situation konstruiere, kann die Antwort völlig anders ausfallen. Stelle dir vor ein Elternteil ist Alkoholiker und dein Onkel bietet dir ein Bier an. Wie würdest du reagieren? Jetzt gibt es natürlich wieder zwei Möglichkeiten: Ja oder Nein. Viele Jugendliche wo ein Teil der Eltern Alkoholiker ist, lehnen Alkohol in dem Alter strickt ab, so dass sie das Bier ihres Onkels sehr wahrscheinlich sogar mit Ekel ablehnen würden. In diesem Fall hat der Jugendliche als Wert gelernt, dass Alkohol schädlich ist, sein Motiv ist, nicht so zu werden wie das Elternteil und bewertet in diesem Fall den Alkohol negativ.

Verhalten

Die Verhalten könnten kaum unterschiedlicher sein. Im ersten Fall wird das Grillen und das Trinken sicherlich als Verhalten aufgenommen und im späteren Leben integriert, während im zweiten Fall wahrscheinlich ein völlig anderer Lebensstil entwickelt wird, bei dem zum Beispiel ein gesunder Lebensstil favorisiert werden könnte, das heißt in diesem Fall wird Sport mit Freunden getrieben, anstatt mit Freunden zu grillen und zu trinken.

Folgen

Welche unterschiedlichen Folgen diese verschiedenen Verhaltensweisen haben, kannst du dir ausmalen. Beide Verhalten haben angenehmen kurzfristige Folgen wie im ersten Fall vielleicht der Rausch und im zweiten Fall vielleicht das Runner’s High. Doch gibt es einen gravierenden Unterschied, wenn wir zu den langfristigen Folgen kommen. Im ersten Fall mögen sich die Trinkgewohnheiten festigen, so dass nicht nur beim Grillen mit der Familie getrunken wird, sondern auch an Wochenenden, wenn mit Freunden ausgegangen wird, bei einem guten Essen oder eben als Feierabendbier, so dass aufgrund der Häufigkeit sich die Trinkmenge steigert, weil der Rausch weiterhin erlebt werden möchte, und es wird mit Restalkohol gefahren ohne erwischt zu werden. Und dann der Schock, erwischt worden. Der Führerschein wird weggenommen, weil die Trinkmenge im Blut zu hoch war und eine Medizinisch-Psychologische-Untersuchung (MPU) fällig wird. Zum Glück gab es keinen Unfall. Nun wird es einige Zeit brauchen bis der Führerschein neu erworben werden kann. Da in der MPU die Leber abgetastet wird, rät ihm die Verkehrspsychologin Leberwerte beim Hausarzt nehmen zu lassen und dabei wird festgestellt, dass diese außerhalb des gesunden Rahmens liegen, so dass eine Fettleber vorliegt. Damit wurde so viel getrunken, dass erste gesundheitliche Beeinträchtigungen aufgetreten sind, die aber glücklicher Weise reversibel sind und somit die Leber sich mit einer Abstinenz wieder zurückentwickelt.

Im zweiten Beispiel sehen die Folgen völlig anderes aus. Durch den gesunden Lebensstil und dem Sport, in unserem Fall Laufen, hat er weder eine Fettleber, noch Übergewicht, noch Bluthochdruck, etc. Er hat, außer der Zeit, die er investiert, keine negativen Folgen und wahrscheinlich sogar ein längeres Leben.

Commitment

Beiden obigen Beispielen ist es leicht gefallen sich zu diesem Verhalten zu verpflichten, weil sie dieses Verhalten als Werte mit auf den Weg bekommen haben und ihr Umfeld dieses Verhalten akzeptiert und selber lebt. Nun sieht es ganz anders aus, wenn es um die Verhaltensänderung geht. Da kann es im ersten Fall anfangs auch Schwierigkeiten geben, wenn die Person sich nicht klar für eine Trinkpause entscheidet und in der Lage ist diese durchzuziehen. Mit dem Entzug der Fahrerlaubnis haben wir eine externe Motivation, die nicht von der Person ausgelöst wurde. Jetzt kommt es auf seine Bewertung an. Wie bewertest er die Veränderung. Wenn er die Situation auf sich beziehst und sie zum Beispiel so deutest, dass die Behörde das nur tut, weil sie ihn ärgern wollen, dann wird er nicht bereit sein sein Verhalten zu verändern. Wenn er jedoch erschrocken zur Kenntnis nimmst, dass er es wohl in der letzten Zeit übertrieben hast, und der gefundene Promillewert so hoch ist, dass er selbst erschrickst, wird er sicherlich viel eher gewillt sein sein Trinkverhalten zu überdenken und zu verändern.

In einer solchen Situation ist es wichtig, dass du auf deine Entscheidungen wirklich Taten folgen lässt. Nur Taten werden zu Erfolgen, nur Taten führen zu einem Leben mit weniger Stress. Wenn du Entscheidungen triffst, die nicht zu deinen Werten und Motiven passen, wirst du sehr wahrscheinlich keine Taten konsequent folgen lassen, denn die Verhaltensänderung durch externe Motive ist nur dann erfolgreich sein, wenn es dir gelingt die externen Motive um interne, zu dir passende Motive, zu erweitern. Jede Verhaltensänderung kann nur langsam und langfristig erfolgreich sein, weil du das unpassende Verhalten seit einem langen Zeit trainiert hast. Daher braucht es bei einer Verhaltensänderung mindestens sechs Monate, um diese so gefestigt zu bekommen, dass Rückfälle in altes Verhalten nicht zu einem dauerhaften Rückfall führen. Da sich viele Verhaltensweisen bereits im Kindesalter entwickelt haben, braucht es entsprechend lange neue Verhaltensweisen stabil in deinen Alltag zu integrieren.

Eine weitere Ursache, warum Menschen häufig nicht bereit sind ihr Verhalten zu verändern, ist, weil sie aus den kurzfristigen Folgen so große Vorteile ziehen, dass sie die negativen langfristigen Folgen ausblenden. Warum würdest du, wenn du es tust, rauchen? Letztens erzählte mir ein Kunde, dass er raucht, weil es ihm die Möglichkeit gibt von seinem Schreibtisch aufzustehen und mit Kollegen zu quatschen. Da er in einem Großraumbüro arbeitet, wird er auch von seiner Chefin beobachtet, wenn er aufsteht. Hat er die Zigarettenpackung in der Hand, weiß seine Chefin sofort, dass er zum Rauchen geht und wird ihn nicht auf seine Pause ansprechen. Wenn er ohne etwas in der Hand zu haben aufsteht, entsteht in seinem Kopf das Bild, dass seine Chefin ihn darauf anspreche könnte, warum er schon wieder Pause mache. So nimmt er die langfristigen, gesundheitlichen negativen Folgen in Kauf um kurzfristig nicht von seiner Chefin gefragt zu werden, warum er denn schon wieder den Platz verlässt. So hat sich mein Kunde vielleicht schon mehrfach vorgenommen das Rauchen aufzugeben, aber es nie getan, weil er kein Ersatzverhalten, welches im Büro ohne Diskussion für sein Rauchen akzeptiert wird, gefunden hat. Doch sobald es ihm gelingt eine interne Motivation zu finden, die zu seinen Werten passt, wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit mit dem Rauchen aufhören.

Warum erzähle ich dir das hier? Weil dieses dein Weg ist, deinen Stress zu reduzieren. Nur wenn es dir gelingt interne Motive für deine Stressreduktion zu finden, wirst du bereit sein, nicht Worte, sondern Taten sprechen zu lassen. Entspanne, aber tu auch etwas dafür. Übernehme die Verantwortung für dein Leben.

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Quellen:

  1. Stravemann, H.H. (2014). Integrative KVT: Die Therapie emotionaler Turbulenzen. Beltz.
  2. Brunstein J. (2006) Implizite und explizite Motive. In: Heckhausen J., Heckhausen † H. (eds) Motivation und Handeln. Springer-Lehrbuch. Springer, Berlin, Heidelberg
  3. Neudeck, P. (Hrsg), et. al. (2015). Kognitive Umstrukturierung: Techniken der Verhaltenstherapie. Beltz.

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