Perfektionismus

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Wir alle wären am Liebsten perfekt. Fehler mögen wir nicht, denn es gibt uns immer den Eindruck des nicht gut genug seins, des Fehlerhaften. Doch wir vergessen, dass Fehler auch ein Teil unserer Persönlichkeit sind. Sie gehören zu uns und machen uns zu dem was wir sind, liebenswert.

Wie langweilig wäre diese Welt, wenn wir alle perfekt wären. Allerdings müssten wir dafür erst einmal perfekt definieren und ich bin mir sicher, dass wird uns gar nicht gelingen. Eben dachte ich darüber nach, ob, wenn wir geklont wären, wir dann perfekt wären, aber nein, wir wären zwar alle ziemlich ähnlich, aber noch lange nicht perfekt. Wäre perfekt, wenn wir wie eine Uhr Zahnrad an Zahnrad ineinandergreifen würden? Aber was wäre dann mit unserem Verstand? Würde er sich dabei wohlfühlen, denn eigentlich benötigen wir ihn dann nicht mehr. Und wie wir wissen ist unser Verstand unser größter Kritiker. Gar nicht so einfach.

Also wollt Ihr jetzt noch perfekt sein? Oder ist es nicht einfacher, wir nehmen uns an wie wir sind und nutzen unser Fähigkeiten, um das Beste aus unserem nicht perfekt sein zu machen?

Damit sind wir allerdings beim nächsten Thema, das uns oft Schwierigkeiten bereitet. Wir müssen uns gegenüber tolerant sein und akzeptieren, dass wir Fehler zu machen. Fehler auszuhalten bedeutet Ungewisses auszuhalten und Kritik auszuhalten. Das fällt vielen schwer und Gestressten ist dieses häufig unmöglich, weil es sie noch weiter stresst, denn sie wollen oft allen gefallen und in dem Moment gelingt ihnen das nicht mehr. Sie haben die Kontrolle über die Situation verloren. Allgemein gilt, wenn uns Fehler unterlaufen, verlieren wir die Kontrolle, denn die Wenigsten von uns machen bewusst Fehler. Die Kontrolle zu verlieren und zusätzlich wie bei Kritik negative Emotionen angesprochen werden, macht es uns so schwer Kritik anzunehmen. Es gibt uns das Gefühl, dass wir das Gesicht verloren haben und das will niemand, denn wir streben nach Perfektion.

Es gibt noch einen wesentlichen Unterschied im Stresslevel zwischen Fehlern und Kritik. Fehler, die wir machen und selbst entdecken, wie zum Beispiel Schreibfehler in einem Text, stressen uns nicht so stark wie Kritik, weil wir den Fehler selbst entdeckt haben und in der Lage sind zu handeln. Kritik kommt von außen, von Fremden, und erwischt uns überraschend. In diesem Moment kommen verschiedene Gefühle auf.

Oft fühlen wir uns anfangs wütend, fühlen uns ohnmächtig, verletzt und ausgeliefert, so dass wir nicht in der Lage sind klare Gedanken zu fassen. Die Emotionen überdecken unseren Verstand wie eine Decke, die wir erst beiseite legen müssen, um aufzustehen und uns fertig zu machen. Nehmt die Gefühle an, akzeptiert sie, denn so verlieren sie ihre Macht. Wenn sie die Macht verloren haben, steht auf, überlegt Euch in Ruhe was ihr auf die Kritik antworten wollt. Handelt nicht übereilt, nehmt Euch Zeit.

Wer sich gegen seine Gefühle sträubt, wird feststellen, dass die Emotionen länger und intensiver sein Leben beeinflussen, als wenn wir sie als Teil der Situation akzeptieren. Im Grunde genommen findet hier nichts anderes als klassische Konditionierung statt. Gebe ich den Emotionen Aufmerksamkeit, werden sie weiterleben, lenke ich mich ab, werden sie nachlassen.

Aber was macht das Nicht-Perfekt sein nun mit uns? Es macht uns schlicht und ergreifend zu dem Individuum, das wir sind. Jeder Mensch ist so komplex, dass es keinen Menschen gibt, der uns gleicht. Auf der einen Seite macht es das Zusammenleben nicht einfacher, auf der anderen Seite ist es genau diese Komplexität und Vielfalt, die uns liebenswert und wertvoll für andere macht.

 

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