Stress eingestehen

Gestern bin ich darüber gestolpert, dass ich las, dass viele Gestresste sich nicht eingestehen wollen, dass sie gestresst sind. Die Aussage hat mich etwas erschrocken und mir auf der anderen Seite klar gemacht, warum viele eine Stress-Diät einer langfristigen Verhaltensänderung vorziehen.

Entwicklung von Stress

Wie kann es sein, dass Du nicht verstehst, dass du unter Stress leidest, wenn bereits Ärzte mittlerweile davon ausgehen, dass Menschen nur aus einem einzigen Grund krank werden: aus Stress.

Jetzt magst du antworten, hier geht es nicht um psychischen Stress. Oh doch, sehr wohl antworte ich dir. Warum? Weil mentaler, emotionaler und körperlicher Stress sich gegenseitig beeinflussen. Nicht umsonst gibt es heutzutage an medizinischen Hochschulen eine Abteilung: Neuro-Psycho-Immunologie. Diese Abteilung untersucht unter anderem den Zusammenhang zwischen der psychologischen Faktoren und den Wirkungen auf unser Immunsystem.

Ich denke viel mehr, dass sich heutzutage so wenige Menschen eingestehen, dass sie Stress haben, weil jeder über Stress klagt und es en vogue ist Stress zu haben. Ich weiß nicht, aber manchmal habe ich den Eindruck, dass manche Menschen stolz sind, wenn sie erzählen können, dass sie Stress haben, weil sie dann wichtig und unentbehrlich sind. Letztens las ich, dass vor allem Menschen in Stress geraten, die sich für unentbehrlich halten, denn diese Gruppe von Menschen kann sich keine Ruhe, keine Entspannung und Erholung gönnen, weil sie ja glauben unersetzlich zu sein.

Nimmt sich heute jeder zu wichtig?

Wenn ich jetzt noch von psychologischen Studien ausgehe, dass wir stärker in einer narzisstischen Gesellschaft leben als es noch vor dreißig Jahren, dann brauchen wir uns im Grunde genommen nicht wundern, wenn wir eine Gesellschaft sind in der sich sehr viele gestresst fühlen. Ein Narzisst zeichnet sich ja gerade dadurch aus, dass er meint wichtig zu sein, dass er der Beste ist und derjenige ist, der alles kann; also kurz: unentbehrlich.

Wie viele Mitarbeiter glauben heutzutage, dass sie unersetzlich sind und wundern sich dann, dass sie ersetzt werden. Bereits in dieser Denkstruktur steckt eine Überheblichkeit, die zu Stress führt.

Meine Beispiele sollten deutlich machen wie wichtig das richtige Mindset für die Reduktion von Stress ist. Wenn wir uns nicht für unentbehrlich halten, können wir Nein-Sagen, wenn es uns zu viel wird. Wenn wir uns jedoch für unentbehrlich halten, nehmen wir jede Arbeit an, die uns weiter das Gefühl gibt unersetzlich zu bleiben, beziehungsweise diese Position weiter auszubauen. Dieses Verhalten ist ein Zeichen für einen Narzissten. So wichtig und gut er für eine Firma ist, desto gefährlicher wird er je mehr er seine Macht zementiert. Denn irgendwann kippt der Vorteil in einen unberechenbaren Nachteil. Wenn der Narzisst seine Macht verliert, wird er unberechenbar, weil er sich mit der Macht die er hat, identifiziert. Wenn ihm also die Macht genommen wird, wird ihm seine Identität genommen. Das führt natürlich zu unendlich viel Stress.

Selbstwahrnehmung

Gestresste werden häufig beschrieben als Menschen, die sich selbst verloren haben. Was hat es damit auf sich? Diese Menschen nehmen ihre Bedürfnisse nicht mehr wahr, beziehungsweise nehmen sich nicht mehr wahr. Sie beschreiben sich als taub, weil sie ihr Bauchgefühl verloren haben und nur noch mit dem Verstand agieren. Daher ist es ganz wichtig, dass Gestresste in der Ruhe wieder zurück zu ihrem Bauchgefühl finden. Das Bauchgefühl kennt keine Macht. Es kennt Demut, Dankbarkeit und Achtsamkeit.

Selbstvertrauen

Wer auf sein Bauchgefühl hört, vertraut sich selbst und wer sich selbst vertraut, ist selbstbewusst, denn er ist sich seiner bewusst. Im Grunde genommen ruht er in sich. Ob er sich selbst liebt, steht an dieser Stelle noch nicht unbedingt im Fokus, denn um sich selbst zu lieben, braucht es die Akzeptanz der Schwächen, welche ich im Selbstvertrauen auf meine Fähigkeiten nicht benötige, weil ich mir an dieser Stelle nur die Stärken zu nutzen mache.

Eigenverantwortung

Wenn der Gestresste sein Selbstvertrauen und sein Selbstbewusstsein wiedererlangt hat, ist es Zeit die Eigenverantwortung zu übernehmen, welche unter anderem der Narzisst niemals übernehmen wird, denn bei ihm sind immer andere Schuld. Derjenige, der Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein nicht spielt, sondern wirklich lebt, kann im nächsten Schritt lernen die Verantwortung für sein Handeln und Leben zu übernehmen, das heißt, dass er bei Fehlern nicht die Schuld bei anderen, sondern in seinem Verhalten sucht. Er sucht die Fehler nicht in seiner Person. Der Unterschied zwischen seinen Fehlern im Verhalten und nicht in der Person zu suchen, ist der Punkt wo sich das Selbstvertrauen und das Selbstbewusstsein zeigen. Sein Selbstvertrauen wird durch Fehler nicht wieder erschüttert. Wessen Selbstvertrauen nicht mehr erschüttern wird, hat die Selbstliebe verstanden und gefunden. Wer selbstbewusst handelt, denkt vor seinem Handeln über mögliche Konsequenzen nach und kalkuliert das Risiko für seine Handlungen im voraus.

Selbstwirksamkeit

Wer selbstbewusst handelt, ist in der Lage selbst-wirksam seine Interessen wahrzunehmen, denn er hat gelernt, wann es sinnvoll ist zu handeln und wann nicht. Dazu gibt es das Gelassenheitsgebet von Reinhold Niebuhr:
“Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.” Um zu unterscheiden wo es Sinn macht Energie zu investieren und wo nicht, kann die Meditation ein Weg zu tiefer Gelassenheit sein, denn wer meditiert, ruht in sich.

Wenn du feststellst, dass du Unterstützung auf dem Weg zur Selbstwirksamkeit benötigst, dann buche gleich mein Strategiegespräch, damit wir gemeinsam schauen können welche Unterstützung du benötigst.

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