Wahrnehmung

Was nimmst Du im Alltag wahr? Was nimmst Du während eines Gespräches mit Deinem Gegenüber wahr? Was nimmst Du an Gestik und Mimik wahr? Was fühlst Du während Du mit deinem Gegenüber sprichst? Kennst Du jemanden auf den der Spruch: Den kann ich nicht riechen zutrifft? Wie hört sich die Stimme Deines Gegenübers an? Sieht er oder sie abgekämpft aus? Hält sie oder er heute den Kopf schief, weil er oder sie im Nacken verspannt ist?

Wenn Du vieles wahrnimmst, kann Dich das sogar stressen, weil Dir eine Reizüberflutung droht. Doch genau da ist es wichtig zwischen Zeiten der intensiven Wahrnehmung und Zeiten, währenddessen Du Dich zurückziehst und kaum Umgebungsreizen ausgesetzt bist zu schwanken. Wenn wir ständig intensiver Wahrnehmung ausgesetzt sind, werden wir Stress empfinden. Doch wenn wir zum Beispiel von lauten Plätzen, wie einem Meeting oder einer Veranstaltung in einem Stadion zu Ruhe in unserem Wohnzimmer wechseln und dort vielleicht in Ruhe ein Buch lesen, regulierst Du den Stress auf ein gesundes Maß, denn Stress ist per se nichts schlechtes.

Wechselnde Aufgaben

Wie zum Ende des letzten Absatzes geschrieben, ist Stress grundsätzlich nichts Schlechtes für Dich, wenn der Stress nicht chronisch wird, sondern die Phasen der Anspannung und der Entspannung sich abwechseln. Wenn wir von der Phase der Anspannung bei der wir fast immer sehr viel Wahrnehmen müssen, in die Phase der Entspannung wechseln, geht dieses immer einher mit einer reduzierten Wahrnehmung bzw. einer Veränderung der Wahrnehmung.

Geschichte

Auf der Fortbildung, die ich am Wochenende besuchte, erzählte der Seminarleiter, dass das Krankenhaus während er dort als Krankenpfleger arbeitete, feststellte, dass die Schwestern und Pfleger Aufgaben übernahmen, die ihrem Berufsbild nicht würdig waren, z.B. das Füttern bettlägeriger Patienten und sourcten diese Aufgabe aus. Danach stelle das Krankenhaus fest, dass die Zufriedenheit der Arbeit sank, und dass die Krankenpfleger und -schwestern unzufrieden waren, obwohl sie jetzt nur noch die Aufgaben, für die sie ausgebildet waren, taten und die Patienten schnell und effektiv gefüttert wurden.

Warum war das so?

Die Patienten fühlten sich bei Essen gedrängt, weil Zeit ein Kostenfaktor war und sie keinen Bezug mehr zu der Person aufbauen konnten die sie fütterte, weil die Mitarbeiter der fremden Firma regelmäßig wechselten und die Pfleger und Schwestern waren deswegen unglücklich, weil sie die ganze Zeit anstrengende Arbeiten verrichteten, die ihnen keine Abwechslung bzw. keine Erholung boten. Für die Krankenschwestern und -pfleger war das Füttern der Patienten wie eine Pause. Sie brauchten keine wichtigen Entscheidungen treffen, sie brauchten keine Kanülen legen, etc. Sie konnten einfach mal für den Patienten dasein und eine leichte routinierte Arbeit verrichten. Die Wahrnehmung wurde auf die Arbeit im Moment reduziert, der keine Komplexität beinhaltete.

Arbeitsflow

Wenn es uns gelingt neben den kurzweiligen, teilweise gleichzeitig auf uns einprasselten Eindrücken Aufgaben auszuführen, die uns in den Arbeitsflow führen, indem wir mehr als zwanzig Minuten für eine Aufgabe verwenden, nehmen wir die Eindrücke, die aus der Umwelt auf uns einprasseln nicht mehr wahr und sind völlig in die Aufgabe mit der wir uns gerade beschäftigen, vertieft. Diese Tätigkeiten sind für unsere Entspannung ganz wichtig, denn sie sind für unser System Erholung.

Wie viel Zeit nimmst Du Dir für eine Aufgabe? Möchtest Du am Liebsten verschiedene Aufgaben gleichzeitig erledigen, weil Du das Gefühl hast nicht genügend Zeit für die Tätigkeiten zu haben, die Du dringend zu erledigen hast? Wenn es Dir gelingt in den Arbeitsflow zu kommen, wirst Du feststellen wie schnell Du einige Deiner Aufgaben erledigt hast. Wie häufig lässt Du Dich ablenken während Du an einer Arbeit sitzt? Die Arbeit am Rechner hat zur Folge, dass wir oft jede E-Mail die eintrudelt im Hintergrund wahrnehmen, weil wir nicht ganz in den Arbeitsflow eingetaucht sind und die E-Mail uns daher ablenkt. Wer in den Arbeitsflow komplett eintaucht, arbeitet wie in Trance, weil es ihm gelingt die Umwelt komplett auszublenden. Wann ist es Dir das letztes Mal gelungen Deine Aufmerksamkeit und Wahrnehmung ganz auf eine Aufgabe zu verdichten?

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